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29. März 2008 6 29 /03 /März /2008 17:59
Bevor ich fortfahre, ein paar Worte zur damaligen Technik

Den Jüngeren hier sei gesagt, dass die CD gerade erst in den Geburtswehen lag und dass es weder MP3, noch IPod oder sonstige Erfindungen gab, die den Jugendlichen das Musikhören versüßte. Internet? Gibt es erst seit Mitte/Ende der 90er Jahre.

Es gab seit 1979 erst den 
Walkman, von Sony  also ein kleines Abspielgerät für Musikcassetten. Anfang der 80er hatten Jugendliche einen Plattenspieler, der entweder fester Bestandteil einer sog. Compactanlage war - ein oft billiges HiFi-Teil, das Radio, Cassettenrecorder und Plattenspieler vereinte, ausgestattet mit zwei kleinen Stereoboxen.

Die etwas besser Gestellten unter uns - seien sie reich oder einfach nur qualitätsbewusster - hatten einen richtigen HFI-Turm, in dem die komponenten - Tuner, Tapedeck (mit Dolby B, C und wer weiß was noch) und einem Plattenspieler ausgestattet war.

Die Lautsprecher-Boxen waren meist möbelmäßig riesig und hatten so etwas wie
Drei-Wege-Bassreflex. Später dann, ab Mitte der 80er Jahre konnten diese Glücklichen die ersten halbwegs erschwinglichen CD-Player anschließen.

Erst Anfang 1984 las ich übrigens in der
Musikzeitschrift "Music Express - Sounds" von der CD (die ich mir überhaupt nicht vorstellen konnte!) - und fand eine Diskussion darüber, ob sich CD's auch für Hardrock/Metal-Fans eignen, nebst einer Auflistung der 10 (!) besten CDs.

Der normale Jugendliche etwa meines Geburtsjahrgangs aber kaufte sich entweder LP's oder Singles (LP's, die
Langspielplatte, kostete in der Regel zwischen 15 und 20 DM) oder ließ sich entsprechend LP's von Freunden mittels Musilkasssette aufnehmen (mit Dolby B mindestens!) oder setzte sich zu diversen Musiksendungen an das Radio und schnitt mit.... auf Tapes, freilich

Im beschaulichen
Kleve am Niederrhein gab es seinerzeit zwei Plattenläden, nämlich ein Passagenähnliches Geschäft namens "Elpee" - wie das wohl englische Besucher wahrgenommen haben, den Namen, meine ich - und Photo Dommers schräg gegenüber. Es machte Spaß, in den LP-s, alphabetisch sortiert, herumzustöbern. Man konnte sich die Platten sogar am Tresen anhören, mit Kopfhörer.

Einmal bin ich fast rausgeflogen. Mit einem Kumpel Manni war ich dort, ich brachte zwei Platten nach vorn und bat ums Anhören. Ich fands lustig und wollte noch mehr hören. Da ich - gehandicapt durch den Kopfhörer - meine eigene Stimme nicht hören konnte, brüllte ich dem mir gegenüber stehenden Manni zu: "Hol noch mal n paar mehr Platten!!" Schwupps, war die Musik aus - der Verkäufer hatte dem Spaß durch Entfernen der Kopfhörerbuchse ein Ende gesetzt und eine böse Mine aufgesetzt. Wir gingen dann freiwillig, um Gras über diesen Faxpas wachsen zu lassen (obwohl: Was stellt der sich so an, vorher ein paar klärende Worte, zB nicht mehr als 3 LP's, wären ausreichend gewesen...).

Weiter in der History:

Im
Winter 1981/82 gab es - mal abgesehen von den bereits benannten Highlights - noch manch Bemerkenswertes in der Musikszene.

Prägend war zB das Zusammenwirken von David Bowie und Queen in dem Hit "Under Pressure".



Mit David Bowie verband ich seinerzeit noch nicht viel. Ich war seinem  Namen in dem Buch "Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" begegnet. David Bowie war offenbar der Superstar der Westberliner Drogenszene, in Buch und Film tritt er in einem Konzert auf und bringt sein phänomenales "Station to Station". Zu "Heroes" laufen die Protagonisten durch eine Einkaufspassage:


Von Bowie werde ich später mehr erzählen.

Prägend waren Orchestra Manoevre in the Dark" (OMD) mit "Maid Of Orleans"...
....und auch

The Human League,
Kim Wilde (Cambodia),
Dave Stuart und Barbara Gaskin mit "It's my Party".


Das Jahr 1982 plätscherte sonst so dahin und bot in erster Linie das bereits angesprochene "NDW goes Disco"-Phänomen. Cool waren dabei immerhin Falco mit dem Kommissar und Peter Schilling mit "Major Tom" und natürlich "Trio".



Ganz witzig kam die
Spider Murphy Gang mit ihrem "Skandal im Sperrbezirk" daher. F.R. David brachte mit "Words" den Hype des Jahres, Nena begeisterte mit toupiertem Haar und Minirock und "Nur geträumt". Dexy's Midnight-Runners "Come on Eileen" ist  heute noch ein Fetenkracher.


(man achte auf die Achselbehaarung des Sängers!!)

Das Jahr 1983 aber brachte erst die eigentliche Wende bei meiner eigenen musikalischen Sozialisierung.

Ende 1982 ergab sich doch allen Ernstes ausgerechnet im Englischunterricht in der 10. Klasse der Realschule die Initialzündung. Das Thema Sprache in der Rockmusik mündete in die Geschichte der Beatles und schließlich in das gerade verfilmte Pink-Floyd-Album "The Wall".



Die Beatles kannte ich schon, nicht aber das Album "Sgt. Peppers". Ausgerechnet hier sollte ich es kennen lernen.

Pink Floyd kannte ich bis dato so ziemlich überhaupt nicht, mal abgesehen von dem Hit "Another Brick in the Wall", 1980 ganz oben in den Charts.

Ich stellte fest, dass mein Ding nicht die aktuelle Musik war - die mich immer mehr anödete - sondern Extremes, Experimentelles.


Immerhin - Anfang 1983 fand ich so Zugang zum Uralt-Live-Album von Pink Floyd aus dem Jahr 1969, nämlich Ummagumma. Ich hörte Pink Floyd aktuell - und uralt.

Ein Freund (Huhu, Manni!!) stapelte Alben seines älteren Bruders in seinem Zimmer. Dazu gehörte die besagte LP  Ummagumma, Scheiben von F
ischer Z Neil Young, Lene Lovich und vor allem Emerson, Lake and Palmer.

Pink Floyds "Wall":
Dieses Album hat mich 16-jährigen seinerzeit enorm beeindruckt, Die Geschichte, die Bilder, die Texte, die Idee - Pink baut eine Mauer um sich, die Steine sind seine schlechten Erfahrungen und Erinnerungen, er igelt sich ein, lässt nichts mehr an sich heran  und wrd auch sonst merkwürdig - hatte eine gewisse Anziehungskraft.



Die Pink-Floyd-Bandmitglieder schildern in dem Pink-Floyd-Werk von Nick Mason aus dem Jahr 2005 - "Inside Out" diese Zeit wie folgt: Alles begann damit, das Roger Waters einem nervenden Fan während eines Konzerts ins Gesicht spuckte. Es entstand die Idee, ein Album zur Entfremdug zwischen Musiker und  Publikum zu gestalten. Später hieß es , es ahndele sich um ein "Jugendaufbereitungswerk" von Roger Waters. tatsächlich wies dieses Album autobiografische Elemente von Roger Waters auf.



Infolge dessen erwarb ich in dem Jahr noch zwei weitere Alben von Pink Floyd: "The Final Cut" (Juni) und "Wish You Were Here"(Oktober). Final Cut behandelte wohl den Falklandkrieg im Jahr 1982 und wies musikalisch unheimlich Ähnlichkeit mit "The Wall" auf. Ein reines Waters -Werk? 

Wish You Were Here gehört noch heute, 2008, zu meinen
ewigen Favoriten.

Weiteres 1983:
David
Bowie! Ein Neustart 1983 via "Let's dance" weckte im Frühjahr 1983 mein Interesse an Bowie. Eine neue Rocksendung im WDR2 - "HasteTöne", lief sonntags - stellte die neuen Aktivitäten Bowies vor. Auch hier bildete  das aktuelle Album - "Let's Dance" - das Starterpaket für meine reichhaltige Bowie-Discografie. Noch in jenem Jahr sollte ich von David Bowie erwerben: "Rare", "Changes", Soundtrack von "Christiane F", ein Sampler mit Stücken wie "Ashes to Ashes",  Fashion und Anderem.



Im September 1983 erinnerte ein Radio-Feature - wie schon ein Jahr zuvor - an den im September 1970 verstorbenen Rock-Gitarren-Gott Jimi Hendrix. Schon 1982 hatte ich den Erwerb eines Albums von Hendrix in Erwägung gezogen. Jetzt war die Zeit reif für einen solchen Kauf. Ich entschied mich für ein Live-Album, dessen Cover ein buntes Ölgemälde von Hendrix Konterfei zierte. Leider befindet sich diees Album derzeit nicht in meinem Besitz. Es war gigantisch!

Ich hörte also - genervt von aktuellen Charts - mit knapp 17 Jahren regelmäßig Pink Floyd, David Bowie und Jimi Hendrix.

Im November krönte ich meinen Wandel 1983 mit den
Doors, einem Live-Sampler namens "Alive she cried".

Pink Floyd, Hendrix und die Doors sollten mich in den nächsten Jahren ständig begleiten. Stetig verabschiedete ich mich vom aktuellen kommerziellen Musikgeschehen - Limahl, Boy George, Michael Jackson etc haben nie meinen Plattenschrank geziert.


Meine aktuellen Anschaffungen 1983 waren aber, sofern noch nicht genannt:

- New Order mit "Blue Monday"
-  einzelne Singles, z.B. Nina Hagen, Alan Parsons Project, Men
without Hat
- David Bowie "Let's dance"
- Pink Floyd "The Final Cut"
- Pink Floyd "The Wall"
- David Bowie "Golden Years"

Soweit der Schwank aus meiner Jugend....

M.Kupfer
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  • Ich bin als Rechtsanwalt tätig, habe Familie und stehe mitten im Leben, wie man so sagt. das bringt manch Chaos mit sich... aber zum Glück auch Zeit für diese Themen: Gesellschaft, Politik, Independent- und Rock,Geschichte, Kultur, Sport, "grüne"
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