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9. November 2008 7 09 /11 /November /2008 12:35
Welche Ereignisse verbinden wir Deutschen mit dem 09. November?

1989:

Ich bin ja der Meinung, dass das eigenlich der Tag der deutschen Einheit hätte werden müssen, nicht der 03.10. . Denn am 09.November 1989 öffneten sich Grenze und Mauer in Berlin - das Ende der deutschen Teilung war besiegelt. Nach wochenlangen friedlichen Demonstrationen in der damaligen DDR in Leipzig, Berlin und anderswo - "Wir sind das Volk!" - brach der Damm und das kam so:

Am Abend es 09.11.1989 hält Günter Schabowski, Mitglied es Politbüros der SED eine Pressekonferenz vor Journalisten aus aller Welt, die vom DDR-Fernsehen live übertragen wird. Auf die Frage des italienischen Journalisten Riccardo Ehrmann holt er einen Zettel aus der Tasche, den er zuvor von Egon Krenz bekommen hatte (Nachfolger von Erich Honecker) und liest vor: "Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Reisevoraussetzungen - Reisanlässe und Verwandtschaftsverhältnisse - beantragt werden. Genehmigungen werden kurzfristig erteilt. Die zuständigen Abteilungen Paß- und Meldewesen der VPKÄ in der DDR sind angewiesen, Visa zur ständigen Ausreise unverzüglich zu erteilen, ohne dass dabei noch geltende Voraussetzungen für eine ständige Ausreise vorliegen müssen." Schabowski kann nicht so recht glauben, was er da gerade gelesen hat.

Mit der nächsten Frage wird er sogleich konfrontiert: "Gilt das auch für Westberlin?". Er zuckt mit den Schultern: "Also doch, doch..." - und liest weiter vor: "Die ständige Ausreise kann über alle Grenzübergangsstellen zur BRD und Westberlin erfolgen". Die nächste Frage: "Wann tritt das in Kraft?", Schabowski antwortet: " Das tritt nach meiner Kenntnis...ist das sofort, unverzüglich".

DDR-Fernsehen (Aktuelle Kamera) und Tagesschau melden um 20:00 Uhr, dass die DDR die Grenze öffnet.

Um 20.30 Uhr treffen die ersten DDR-Bürger am Grenzübergang Bornholmer Straße ein, da sie aber kein Visum haben, geht es noch nicht raus. Es kommen immer mehr, gegen 21:00 forden sie lautstark "Tor auf, Tor auf!"

Die Grenzer haben aber noch keinen befehl zur Grenzöffnung erhalten, die Situation spitzt sich zu.

Gegen 22:30 Uhr ruft der diensthabende Grenzer seinen vorgestzten an und fragt, ob er nicht die Grenze öffnen könne, lange ginge das nicht mehr gut.

Er stellt die Kontrollen ein und lässt die Leute raus.
Andere GüSt in der Stadt folgen.... Um 00:02 Uhr sind alle GüSt in der Stadt geöffnet.



Gleich im Jahr 2008 gibt es zwei "runde" Gedenktage - 1918 und 1938.

1938
Besonders hervorzuheben ist der  09.11.1938, die sog. Reichsprogromnacht  - durch die Nazis verharmlosend beschrieben als "Reichskristallnacht". Darüber ist bereits viel geschrieben und gefilmt worden: Die Nacht, in der die Synagogen brannten, die Nacht, in der die Geschäfte jüdischer MitbürgerInnen verwüstet wurden, die jüdischen Deutschen in ihren Wohnungen überfallen, misshandelt, verhaftet - und nach neueren Erkenntnissen 400 jüdische Deutsche zu Tode kamen - ermordet oder durch Selbstmord aus Verzweifelung. ... 70 Jahre ist dies her und nicht in Vergessenheit geraten. Andere Wissenschaftler gehen sogar von ca. 1500 Opfern allein in der Nacht vom 09. auf den 10. November aus. In den Tagen danach wurden Abertausende in KZ verschleppt...




1918
Der 1. Weltkrieg ist fast beendet (11.11.1918), das Kaiserreich zusammen gebrochen. Es ist der erste Tag der (Weimarer) Republik, als der Kaiser abdankt und Reichskanzler Ebert und Philp Scheidemann verkünden, dass die nächste Regierung eine Volksregierung sein wird... Die Ereignisse an dem Tag überstürzen sich. Ein guter Schritt - die republik anstelle des Kaiserreichs zu setzen. Dennoch - Weimar hatte bekanntlich seine Schwächen. Die Nachfolgeregierung war braun und führte über die Reichsprogromnacht zum Holocaust und zum zweiten Weltkrieg.

1923
Ein fast rundes Datum bildet der 09. November 1923: es ist der Tag des Hitler-Ludendorff-Putsches, der als "Marsch auf die Feldherrenhalle" in München bekannt gewordene gescheiterte Sturm von "rechts".


1967
09.11.1967: Zwei Studenten stören die Rekoratsübergabe
an der Hamburger Ordinarienuniversität mit dem Transparent "Unter den Talaren Muff von 1000 Jahren." Nach Ausage der beiden wollten sie die unrühmliche Rolle der Universität(en) während des dritten Reiches hinweisen - eine Aufarbeitung hatte bislang nicht statt gefunden.


1974
09.11.1974: Holger Meins, RAF-Terrorist, stirbt in der Haft nach 7 Wochen Hungerstreik. Die zweite RAF-Generation sieht darin ein Fanal, Holger Meins wird zum Märtyrer, die Terrorwelle ab Mitte der 70er Jahre rollt an...

Was haben denn die beiden letzten Ereignisse mit den anderen zu tun?
Viel, sehr viel.

An die ewig nörgelnden 68-er-Basher: Die Talar-Muff-Aktion war harmlos, sie war eine typische "Eulenspiegel"-Aktion. Die beiden Studenten haben dem Establishment - um beim Wording der APO zu bleiben - die lange Nase gezeigt, angesichts der brutalen Aktionen 1923 und 1938 nur zu notwendig. Der Respekt der Altvorderen war dahin, nicht, weil Eulenspiegel zuschlug, sondern aufgrund ihres Umgangs mit der Geschichte des Dritten Reiches und ihrer vielleicht eigenen unrühmlichen Rolle...

Die RAF-Mitglieder waren keine lustigen Eulenspiegel mehr - aus den Spaß-Guerillas wurde die Stadt-Guerilla mit den bekannten Folgen. Die RAF war beflügelt von dem Gedanken, die Bundesrepublik sei ein faschistischer Staat.

Gudrun Ensslin 1967: "Das ist die Generation von Auschwitz - mit denen kann man nicht reden!" Alles hängt irgendwie zusammen...

Übrigens: Der 09.11.1988 war auch so ein denkwürdiger Tag - der damalige Bundestagspräsident Dr. Philipp Jenninger, CDU - hielt eine missverständliche Rede zum Gedenktag - und trat 24 Stunden später zurück... Aber derartige Ereignsse "zählen" nicht wirklich hinzu, weil sie als Reaktion insbesondere auf die Reichsprogromnacht zu verstehen sind.

M.Kupfer

 
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Kommentare

ReFi 11/09/2008 17:49

..... super Artikel, ich bin übrigens auch der Meinung das "Der Tag der Deutschen Einheit" am 09.11 sein müsste.. LG Regina

M.Kupfer 11/09/2008 20:42


Vielen Dank für Ihren Kommentar. Tja, eigentlich ist es so, wie Sie sagen... Aber der damalige Kanzler - der mit dem "Tichtuch der Gechichte" - wollte einen eigenen Eintrag im "Gechichtsbuch".....
schade. Sie können ja einmal meinen Blogeintrag zum 03.10.2008 daazu lesen,,.

M.Kupfer



Roadrunner 11/09/2008 17:30

Sehr gute Aufschlüsselung der Ereignisse! Man bekommt den Eindruck, dass der 09.11. ein "magisches" Datum für die Deutschen ist. Ich möchte nur noch anmerken, dass die Reichsprogromnacht auch niemals vergessen werden sollte. Sie sollte viel mehr ein Mahnmal für die Menschheit sein, wie sovieles in der Zeit von 1933 bis 1945.

MfG Roadrunner

M.Kupfer 11/09/2008 20:35


Vielen Dank für Ihren Kommentar! Ja, in der Tat, die Reichsprogromnacht als Ereignis des 09.11. ist sicher das unangenehm herausragende Ereignis - um das sich alle anderen früheren und späteren
Ereignisse drehen... .
Ende des 1. Weltkriegs und Feldherrenhallenmarsch als Meilensteine zur Reichsprogromnacht, 1967 und 1974 Spätfolgen - Reaktionen der jüngeren Generation -- und der Mauerfall als Beginn/Chance eines
neuen Deutschland...

Wolf Biermann sagte mal: "Die Zukunft wird nämlich entschieden im Streit um die Vergangenheit".

M.Kupfer


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