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14. November 2008 5 14 /11 /November /2008 22:38
Ein gern gehörtes Argument bei Atomlobbyisten: Atomenergie sei gut für den Klimaschutz, da derartige den Treibhauseffekt herbeiführende CO2-Immisionen - wie bei der Kohle - nicht entstünden.

Atomkraft soll dem gegenüber als das kleinere, akzeptablere Übel erscheinen.
Also: Atomkraft=Klimaschutz?

Meine klare Antwort: Nein!

Mich alten Kernkraftgegner führt man nicht so leicht hinters Licht, und auch nicht die mehreren Tausend beim Protest gegen den Castortransport am 08./09.11. 2008 in Gorleben und Umgebung.

Und warum nicht?

Die Gegenargumente:

1. Dem Klimawandel durch den Ausbau von Atomkraft begegnen zu wollen, hieße, ein Risiko durch ein anderes, inakzeptables Risiko zu ersetzen.
- Die Endlagerung/Entsorgung des radioaktiven Mülls ist völlig ungeklärt, in den gut 50 Jahren "friedlicher" Nutzung von Kernenergie ist weltweit nicht ein schlüssiges Entsorgungskonzept entwickelt worden.
- Eine radioaktive Verseuchung durch einen Atomunfall kann nicht ausgeschlossen werden, s. Harrisburg, Tschernobyl, Windscale und die "kleineren" Vorkommnisse 2006 in Forsmark/Schweden und 2007 in Brunsbüttel und Krümmel. Die Gefahr einer Reaktorkatastrophe kann nicht ausgeschlossen werden - auch nicht bei den vermeintlich "sicheren" Standorten.
- Jede weitere neu erbaute Anlage erhöht die Gefahr eines Super-GAU, je länger Anlagen am Netz sind, desto mehr erhöht sich das Risiko eines Super-GAU's;
- Um Kosten zu sparen und Gewinne zu erhöhen, lassen die Betreiber die älteren - längst abgeschriebenen - Anlagen länger laufen und sparen gleichzeitig an Wartungs- und Reparaturarbeiten, Mängel werden so nicht oder zu spät erkannt. Das Risko steigt also mit jedem Jahr Laufzeit.
- Mit dem strahlenden Abfall kann Schindluder betrieben werden, etwa durch den bau "schmutziger" Bomben. Wer sagt uns denn, dass z.B. in hundert Jahren noch eine demokratische Regierung das sagen hat?


2. Es gibt risikoarme Wege, das Klima zu schützen.

- Ausbau erneuerbare Energien: Strom aus erneuerbaren Energien kann bei konsequentem ausbau bis zum jahr 2020 (noch 12 Jahre) 25% des Energiebedarfs in Deutschland decken - und 110 Mio Tonnen CO2 einsparen.
- effizientere Kraftwerke;
- dezentrale Stromversorgung;
- Energiesparen...

Übrigens - allein der Stand-by-Betrieb sämtlicher Elektrogeräte der deutschen Haushalte benötigt den Strom von zwei (!) AKW.

- Wärmegedämmte Gebäude, energiesparende Elektrogeräte, Sprit sparende Autos können ebenfalls  erheblich zum Energiesparen beitragen, desgleichen eine Verkehrspolitik, die darauf zielt, PKW-, LKW und Flugverkehr zu vermeiden.

Energiebedarf schwankt, AKW sind zu träge, um sich auf wechselnden Energiebedarf einzustellen.

Atomkraft legt die eingeschlagenen Energiepfade auf Jahrzehnte fest, weil sie risige Kapitalmengen auf lange Zeit bindet, dadurch wird der Ausbau anderer alternativer Energieformen verhindert.


3. Energiekonzerne reden von Klimaschutz, wenn es um den Betrieb von AKW geht, ansonsten kümmern sie sich nicht um Klimaschutz. Das Argument, mit AKW ausschließlich das Klima schützen zu wollen, ist somit verlogen.
Die "Großen" Energieversorger, also RWE, Vattenfall, Eon und EnBW haben  Laufzeitverlängerungen für diejenigen AKW beantragt, die genäß dem Atomausstieg aus dem Jahr 2000 als erste stillgelegt werden müssen Biblis A, Brunsbüttel, Neckarwestheim I). Dies wird damit begründet, dass dadurch CO2 eingespart würde, Atomenergie sei eine Brückentechnologie, die solange laufen müsse, bis die erneuerbaren Energien ausgereift seien. Gleichzeitig aber zeigt sich, dass die Großen nicht etwa in die erneuerbare Energien oder techniken mit Kraft-Wärmekopplung investieren - nein, wird in andere Kraftwerke investiert, so sind dies ausschließlich ineffiziente klimaschädliche Kohlekraftwerke....


4. Auch Atomstrom ist nicht CO2-frei zu haben
Die tatsächliche Erzeugung von Atomstrom setzt tatsächlich kaum CO2 frei - anders sieht es aber beim Uranabbau und der Erzeugung der Brennstäbe aus - da kein AKW ohne Brennstäbe läuft, muss dieser Energieverbrauch mit eingerechnet werden. Insgesamt ist festzustellen, dass bei Berücksichtigung der gesamte Prozesskette von Atomkraft - Herstellung, Aufbereitung, Verwahrung, Betrieb und Transporte, so hat Atomenergie einen beachtlichen CO2-Ausstoß.


5. Atomkraft zu nutzen bedeutet, Energie zu verschwenden

Atomkraftnutzung ist ausschließlich in großen zentralen Anlagen möglich, in relativ großem Abstand zu Städten. Die Wärme, die bei der Stromerzeugung entsteht, geht ungenutzt verloren. Wirkungsgrad der Anlagen: Maximal 33 % !


6. Die nationalen Klimaschutzziele durch den Neubau von AKW zu erreichen, ist allein zeitlich unrealistisch und gefährlich.
Soll der Ausstoß von klimaschädlichem CO2 nach Maßgabe des Kyoto-Protokolls (bis 2012 im Vergleich zum Jahr 1990 21% weniger Klimagase, bis 2020 sgar 40% weniger) ausschließlich durch Atomkraft erreicht werden, so müssten in den nächsten 12 Jahren in Deutschland zehn neue AKW gebaut werden. Geht es noch weiter bis ins Jahr 2050 - laut Energie-Enquette-Kommission des Bundestags müssen die CO2-Emmissionen um 80% gegenüber 1990 gesenkt werden - und dieses Ziel sol nur durch Atomenergie erreicht werden, so müssten in Deutschland sogar  60-80 AKW gebaut und dauerhaft betrieben werden. DAS allein ist utopisch und nicht sonderlich verlockend.


7. Atomkraft ist weltweit die falsche Antwort auf den Klimawandel
 Weltweit wird darüber diskutiert, Atomkraft verstärkt einzusetzen, um dem Klimawandel zu begegnen. Im November 2007 waren weltweit 439 AKW im Einsatz, diese deckten 2% - 3%  des weltweiten Energiebedarfs.
Das enstpricht etwa 16% des weltweiten Strombedarfs.Das Gleiche Problem wie unter 6.: Die Anzahl der AKW weltweit müsste bis 2050 um das Sechsfache (!) anwachsen. Eine strahlende Zukunft, fürwahr...


8. Uran als Rohstoff für AKW - diese Ressource ist in absehbarer Zeit erschöpft.
Bliebe es bei den derzeitigen Abbaumengen - jährlich werden 68.000 Tonnen Uran weltweit verbraucht - so sind, wenn es dabei bliebe, die wirtschaftlich nutzbaren Ressourcen in 40-50 Jahren erschöpft. Bei einem extremen Ausbau wie oben beschrieben, wäre dieser Zeitpunkt erheblich eher erreicht. Andere Möglichkeiten der Herstellung - Wiederaufbereitung oder der Betrieb von sog. Brutreaktoren - haben sich aufgrund des Risikos und der Unwirtschaftlichkeit von selbst erledigt.


9. Der Bau von AKW treibt Schwellen-und Drittweltländer in die Schuldenfalle und bindet Kapital, das für den Ausbnau erneuerbarer Energien notwendig ist.
Atomkraft ist eine kapitalintensive und "reaktionslahme" Großtechnlogie - ein Dinosaurier, ein technischer Irrtum des 20. Jahrhunderts - sie bindet Mittel, die für andere Energieformen benötigt werden. Sie kann nur da zum Einsatz kommen, wo bereits Stromnetze bestehen - in Drittweltländern und Schwellenländern ist das nicht der Fall.

Der Bau eines AKW in Argentinien währt seit 1981, zur verschudung von Argentinien hat dieses Projekt bereits erheblich beigetragen, Strom produziert es noch lange nicht...


10. Das vorgeschobene Argument des Klimaschutzes soll helfen, der Atomindustrie neue Subventionen zu erschließen.
Im Rahmen der Klimakonferenz in Den Haag 2000 wurde beschlossen, dass für die Umsetzung des Kyoto-Protokolls keine Öffnung für Atomkraft erfolgen soll. Das Kyoto-Protokoll endet aber im jahr 2012, wie es nach 2012 weiter gehen soll mit dem Klomaschutz, wird bereits stark diskutiert. Und wer ist hier in vorderster Front? Kurz vor der Klimakonferenz in Montreal  2005 erklärten 25 von 732 Europaparlamentarier - initiiert von der Atom-Lobby -  Europa solle stärker auf Atomkraft setzen.

Als "low carbon technology" soll Atomkraft auf eine Stufe mit den erneuerbaren Energien gehievt werden. Umweltfreundliche Technologien werden in der EU besonders subventioniert. Wenn es gelingt, Atomenergie als "low carbon technology" also umweltfreundlcihe technologie darzustellen, würden neue Subventionen erschlossen.

M.Kupfer
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Kommentare

R
Ich stimme dem voll und ganz zu. Atomkraft ist völlig überaltert, ein Relikt aus einer längst vergangenen Zeit. Mittel, die in AKW's gepumpt werden, sollte man besser in zukunftsträchtige Konzepte investieren. Es gibt ja einige gute Ansätze wie Gezeitenkraftwerke, Erdwärme, Kernfusion usw. Nur leider werden diese nicht ausreichend gefördert. Wir können jedoch froh sein, dass in Deutschland in Sachen Atomkraft noch dem internationalen Trend standgehalten wird. Wie lange das noch so sein wird werden wir nach der Bundestagswahl im nächsten Jahr erfahren.

MfG Roadrunner
Antworten
M

Danke für Ihren Kommentar. Tja, die nächste BT-Wahl wird es zeigen. Kommt es zu schwarzgelb - was zurzeit so ausicht - wird die Atomkraft, so fürchte ich, eine Renaissance erfahren. Sitzen SPD oder
Grüne mit am Regierungstisch, dann bleibt es bei dem Atomausstieg... Andere Alternative: Obama als neuer US-Präsident setzt klare Zeichen für eine klimaschützende Politik ohne Atomenergie, das
könnte prägend sein.... Oder es kommen Gutachten oder für wichtig und richtig angesehene Gutachten und Empfehlungen in Umlauf, die ganz klar den Atomausstieg unterstützen, vielleicht sogar noch
weiter gehen. Das darf aber nicht von Greenpeace und Co kommen, sondern von irgendwelchen führenden Wirtschafts-Cracks. Und dann wäre das nur die halbe Miete...
M.Kupfer


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