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23. Mai 2009 6 23 /05 /Mai /2009 09:47
Eine Meldung aus der Birthler-Behörde lässt einen Meilenstein der APO-Geschichte vielleicht in anderem Licht erscheinen: Der Polizist Karl-Heinz Kurras, der am 02. Juni 1967 während der Anti-Schah-Demonstration in Berlin (West) den Studenten Benno Ohnesorg erschoss ("Die ist mir einfach losgegangen"), war nach Informationen der Birthler-Behörde ein Stasi-Mann, dies schon seit 1955.

Bekanntermaßen führte dieser Mord seinerzeit zu einem ersten
Radikalisierungsschub der "68er" und zu erheblichen Ausschreitungen. Nach Lesart der APO und des SDS hatte hier der immer noch von Nazis regierte Staat unerbittlich zugeschlagen und ein Todesopfer gefordert. Vor allem die spätere RAF-Terroristin Gudrun Ensslin tat sich dabei mit einem Spruch hervor wie: "Das ist Generation von Auschwitz, mit denen kann man nicht reden....!". Auch der damalige Regierende Bürgermeister von Berlin, Albertz, trat kurz nach den Schah-Demonstrationen zurück.

Muss nun die Geschichte von "68" umgeschrieben, ja neu definiert werden - wie es Konservative nun gerne hätten, um unter Anderm die damals gegen links hetzende Springer-Presse zu rehabilitieren? War die DDR an der Radikalisierung der APO, ja schließlich an der Gründung der RAF beteiligt? Spätestens seit dem Buch von Bettina Röhl "So macht Kommunismus Saß" ist bekannt, dass die DDR die linke Zeitschrift
"Konkret" - mit der Kolumnistin Ulrike Meinhof - finanziert und unterstützt hatte.

Vielleicht - und dies ist naheliegender - wird aber nun auch die Rolle von Kurras überschätzt. Vielleicht war er einfach ein erzkonservativer autoritärer Typ, der die  APO hasste, der Schuss wäre somit nicht auf die Stasi zurück zu führen, sondern die Handlung eines einzelnen. Es war durchaus so, dass sich in den 60er Jahren Polizei und Demonstrierende aus Kreisen der APO und des SDS als unversöhnliche Gegner gegenüber standen. Warum sollte sich Kurras nicht auch von dieser Stimmung leiten lassen? Weit her geholt scheint deshalb die Überlegung, die DDR habe bewusst Aufstände provozieren wollen. Wenn die SED tatsächlich Interesse an einem Wandel in der Bundesrepublik gehabt hat (Ostermärsche gegen atomare Aufrüstung, Spion Guillaume im Kanzleramt), hätte sie dies womöglich nicht unbedingt durch einen einzelnen Polizisten und dessen Diestwaffe provoziert, vielmehr war die SED überrascht über dessen Tat (von der sie lt.- Aktenlage vorher nichts wusste) und brach die Verbindung und Zusammenarbeit mit Kurras nach dem 02.06.1967 ab.

Die Birthler-Behörde prüft nun auch noch einmal die Hintergründe des Attentats auf Rudi Dutschke am 11. April 1968.

Mehr dazu findet sich zum Beispiel hier...

Zur Einschätzung und Beurteilung dieses Fakts bietet die TAZ ebenfalls eine sehr nachvollziehbare Darstellung.

M.Kupfer 
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  • Ich bin als Rechtsanwalt tätig, habe Familie und stehe mitten im Leben, wie man so sagt. das bringt manch Chaos mit sich... aber zum Glück auch Zeit für diese Themen: Gesellschaft, Politik, Independent- und Rock,Geschichte, Kultur, Sport, "grüne"
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