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26. Mai 2009 2 26 /05 /Mai /2009 21:22
Vor Kurzem - am 11.05.2009 - erschien das Werk von Jan Fleischhauer mit dem Titel: "Unter Linken. Von einem, der aus Versehen konservativ wurde". Einige Auszüge waren schon im Spiegel zu lesen.

Die zugegeben unterhaltsam geschriebene Passage ließen mich aufhorchen. Bei mir lief die kulturelle und politische Prägung genau anders herum.

Ich lebe zwar als verheirateter Familienvater, Grundbesitzer und Arbeitgeberanwalt ziemlich bürgerlich - ob ich will oder nicht - aber dem bürgerlich-elitären Habitus kann ich nichts abgewinnen. Auch nicht dem Weltbild der CDU- und FDP-Stammwählerschaft.

Ich bin Grüner, 100%-iger Atomkraft-Gegener, und denke, dass Ökologie und Wirtschaft sehr gut zusammen passen, wenn diese Wirtschaft sich eben auch den sozialen und umweltpolitischen Herausforderungen der Globalisierung stellt. Gleichberechtigung geht natürlich klar, die Ehe ist eine Form des Zusammenlebens von Vielen und kein ehernes (sic!) Naturgesetz. 1968 war ein sehr wichtiger - im Wesentlichen notwendiger und positiv zu bewertender - Meilenstein in der bundesrepublikanischen und europäischen sowie US-amerikanischen Geschichte und bedeutete längst nicht den Untergang des Abendlandes und der Kultur, wie es Stockkonservative heute noch immer gerne behaupten - über vierzig Jahre später. Und nie würde ich auf die Idee kommen, meine Rockmusiksammlung gegen piefige volkstümliche Musik einzutauschen oder nur noch schlechte Musik mit dem Prädikat "Party-Charts" zu hören, um einen auf jung und hip zu machen.

Mein Weltbild war in der Tat mal anders: Ich äußerte mit 12, 13 bis etwa 15 Jahren ungeheuerlich unerträglich konservative, ja gar reaktionäre Thesen, wie zum Beispiel, dass meine spätere Frau ja nicht arbeiten solle, Atomkraft gut sei, mochte keine Pop- und Rockmusik, wollte frewillig zur Bundeswehr und war glücklich über den ersten selbst gebundenen Krawattenknoten. Ungelogen! Man, ist mir das heute peinlich...

DAS änderte sich zum Glück - und rettete mich wohl vor dem Eintritt in die JU und eine Burschenschaft oder in eine sonstige studentische Verbindung. Von meiner Metamorphose ab 16 Jahren profitieren heute alle meine Lieben.  Was war eigentlich ausschlaggebend?

Weiß ich nicht mehr, aber von heute auf morgen verschwanden damals Seitenscheitel, Oberhemd und V-Ausschnitt-Pullunder und mein Outfit wurde mit längeren Haaren und jugendtypischen Elementen der 80er rockmäßiger, alternativer. Ich beschloss, den Dienst an der Waffe zu verweigern, sah weit mehr Risiken in der Atomenergie als zuvor Vorteile, interessierte mich für Fragen der Friedens- und Abrüstungspolitik sowie die Dritte Welt und die globalen Zusammenhänge - und kicherte über den damaligen Kanzler Helmut "Birne" Kohl. Das war nicht so, weil es "in" war. Mein Umfeld war ganz und gar nicht "links".

Vielleicht war die Wende von 1982 ja ausschlaggebend für meine Metamorphose Richtung links-alternativ. Oder waren es die sich mit der Zeit ergebenden Erkenntnisse über die Generation der Großeltern, deren Angehörige
in der Nazizeit auf der einen Seite einfach nur angepasst waren und damit nicht als Helden oder Opfer herhielten bzw. auf der einen Seite sogar Nazis waren und in der Waffen-SS wirkten und ebenfalls Juden hassten? Oder war es die bislang ausgebliebene Auseinandersetzung damit? Das Koordinatensystem meiner damals heilen Wertewelt war jedenfalls so nicht weiter aufrecht zu erhalten und musste komplett anders definiert werden. "Alte Helden" mit einem gradlinigen und konsequenten Werteverständnis und Zivilcourage traf ich leider nicht.

Wie dem auch sei, Herr Fleischhauer. War die Metamorphose vielleicht ein Abgrenzen zum Elternhaus, zur Familie? Natürlich ist das als Teen oder Twen anders als bei Jemandem in den 40ern. Äußerlich gleicht man sich an, auch in den allgemeinen Umgangsformen. Das ist eine Frage der erfolgreichen Kommunikation. Aber sonst? Spätestens bei politischen Themen und Glaubensfragen bzw. die Sichtweise auf "68" hört der Spaß bei jeder Party auf.

Interessant ist dazu ein Pro-Contra in der Taz: Ist Konservativ zu sein wieder sexy?

M.Kupfer
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  • Ich bin als Rechtsanwalt tätig, habe Familie und stehe mitten im Leben, wie man so sagt. das bringt manch Chaos mit sich... aber zum Glück auch Zeit für diese Themen: Gesellschaft, Politik, Independent- und Rock,Geschichte, Kultur, Sport, "grüne"
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