Overblog
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
1. September 2009 2 01 /09 /September /2009 21:38
Seit ca. 1,5 Jahren läuft ein Prozess einer ehemaligen Führungskraft gegen ein von mir betreutes Unternehmen.

Das Unternehmen hat zig Filialen, die Klägerin war bis vor ca. 2 Jahren Filialleiterin. Dann erhielt sie die Kündigung.

Der Grund: Sie hat nach Auffassung meiner Mandantschaft Intrigen gesponnen, Mitarbeiter  gegeneinander ausgespielt ("Mit dir will keiner arbeiten, alle beschweren sich über dich..."), Mitarbeiter wegen Fehlern öffentlich gemaßregelt und damit gedemütigt, von den Mitarbeitern gewünschte Gespräche nicht geführt, Verträge nicht an die Zentrale weiter geleitet. Sie selbst hat Kritik ihrer Vorgesetzten und anderen Mitarbeitern nicht angenommen. Sie hat Mitarbeitern, die sich an die Zentrale bzw. die Hierarchie wandten, um ihre Klagen gegen sie loszuwerden, unter Druck gesetzt. Nachdem sich nach einigen Gesprächen keine Verhaltensbesserung ergeben hatte, entschloss man sich zur Kündigung.

Natürlich hat diese Filialleiterin gegen die Kündigung geklagt.

Das Problem für das beklagte Unternehmen besteht darin, das Fehlverhalten "substantiiert", also so schlüssig wie möglich darzustellen. Anders als bei greifbaren Pflichtverletzungen, wie zum Beispiel häufigen Verspätungen, "Blaumachen" ohne krank zu sein, Beleidigungen und anderen Delikten am Arbeitsplatz kann man bei der Beschreibung falschen bzw. schlechten Führungsverhaltens eigentlich nur alles verkehrt machen. Denn schlechte Führung findet nicht an einem Tag ganz extrem statt, sondern dauerhaft, jeden Tag, über Monate/Jahre hinweg und zeigt sich im täglichen Miteinander, in unzähligen Situationen.

Die vielen Einzelsituationen, die  die Mitarbeiter erleben müssen, reichen für sich betrachtet einzeln im Zweifel nicht, um eine Pflichtverletzung daraus herzuleiten, die zur Kündigung berechtigt. Außerdem bestreitet die Gegenseite alles, was an Beispielen aufgelistet wird.

Unsere Strategie: Die Filialleiterin  wird zur sog. "Leitenden Angestellten", denen kann man sehr leicht kündigen und das erspart dem Arbeitgeber einen schwer zu fassenden Vortrag. Leitende Angestellte bewegen sich in der Hierarchie zwischen der Unternehmensführung und den Mitarbeitern, haben also fast Arbeitgeberrechte, indem sie zum Beispiel Mitarbeiter einstellen und kündigen können, außerdem sind sie Ansprechpartner des Betriebsrats, soweit einer vorhanden ist.

Bei der Argumentation kommt uns ein anderes Arbeitsgericht zur Hilfe, das diesen Status für alle Filialleiter in dem Unternehmen bereits rechtskräftig festgestellt hat. Eigentlich kann es nur noch schief gehen.

Übrigens: Allzuviel Mitleid mit der Dame ist wirklich unangebracht, die früheren Untergebenen sind heilfroh, sie los zu sein. Der Alptraum hatte mit der Kündigung ein Ende, was bei den Intrigen und dem Mobbingklima auch zu begrüßen ist.

Warum das Verfahren schon so lange dauert? Das hängt mit etwas ganz anderem zusammen und gehört hier nicht her.

M.Kupfer

 
Diesen Post teilen
Repost0

Kommentare

Über Diesen Blog

  • : Der-seit-1966-dabei-Blog
  • : Gesellschaftliche Themen, Rockmusik, Independent, Crossover, Freunde, Spiele, Familie, 68er, Recht, grüne Politik, Wahnsinn des Alltags
  • Kontakt

Profil

  • M.Kupfer
  • Ich bin als Rechtsanwalt tätig, habe Familie und stehe mitten im Leben, wie man so sagt. das bringt manch Chaos mit sich... aber zum Glück auch Zeit für diese Themen: Gesellschaft, Politik, Independent- und Rock,Geschichte, Kultur, Sport, "grüne"
  • Ich bin als Rechtsanwalt tätig, habe Familie und stehe mitten im Leben, wie man so sagt. das bringt manch Chaos mit sich... aber zum Glück auch Zeit für diese Themen: Gesellschaft, Politik, Independent- und Rock,Geschichte, Kultur, Sport, "grüne"

Suchen

CD's und LP's

Archiv