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25. Dezember 2008 4 25 /12 /Dezember /2008 21:14
Rudi Dutschke, der Kopf des SDS, der Studentenbewegung von 1966 bis 1968, starb am Heiligabend 1979 an den Folgen des Attentats vom 11.04.1968.

Er wurde 39 Jahre alt. An seinem Todestag war sein jüngster Sohn, Marek, noch nicht geboren.

Gretchen Dutschke, seine Ehefrau, schreibt in ihrem 1996 bei Kiepenheuer & Witsch veröffentlichten Werk "Wir hatten ein barbarisches schönes Leben - Rudi Dutschke, eine Biographie" (S. 479ff) :

"Am folgenden Nachmittag, Heiligabend, klingelte pausenlos das Telefon. Es waren meist Anrufe aus Deutschland, Weihnachtsgrüße und Worte über die vielen Aufgaben der nächsten Wochen. Auch Günter Berkhahn rief an. Das Gespräch begann freundlich, und ich beachtete es nicht. Doch dann merkte ich, dass Rudis Stimme merklich gereizt wurde. Er sagte, er schaffe es mit dem Buch jetzt nicht. Er schien zerrissen und gequält. Er wusste nicht, wie er Günter sagen sollte, dass er das gemeinsame Projekt nicht beenden konnte. Außerdem war die grüne Sache zu spannend. Nein, es war nicht das sozialistische Projekt, aber es war wichtig. Berkhahn muss gebrüllt haben, dass es idiotisch sei, die Zeit mit den Grünen zu verschwenden, dann drohte er, dann resignierte er und zeigte sich verletzt. es war für Rudi schwer zu ertragen. Er wollte Berkhahn nicht enttäuschen. Aber er wusste, dass er jetzt kein Buch schreiben konnte. Vor allem nicht dieses Buch. Als das telefongespräch beendet war, war Rudi sichtlich beunruhigt. Er sagte mir nur: "Ich kann das Buch mit Berkhahn jetzt nicht schreiben. Später vielleicht. Günter setzt mich zu stark unter Druck." Es war eines der letzten Dinge, über die wir miteinander sprachen.
Ich begann, die Gans vorzubereiten. Wir hatten einen Gast zum Essen eingeladen, Pia, eine Dänin, die zeitweise in Deutschland gelebt hatte. Pia bereitete den Nachtisch vor. Rudi ging ins Badezimmer. Als die Gans, gefüllt mit Äpfeln, Reis und Gewürzen im Ofen lag, dachte ich, dass Rudi nun fertig sein müsse mit seinem Bad. Ich schaute ins Badezimmer  und dachte, er trockne sich ab. Aber war tot. Der  Alptraum raste in grellen Farben  vor meinen Augen. Ich schrie und gleichzeitig zog ich ihn aus der Wanne heraus...."

Die Trauerrede zur Beerdigung am 03.01.1980 hielt kein Geringerer als
Helmut Gollwitzer.

Die Todesnachricht wird in Deutschland  auf zweierlei Weise aufgenommen. In der SPIEGEL--Spezial-Ausgabe von Juni 1988 "Die wilden 68er" ist auf Seite 38 zu lesen:

"Todesnachricht: Fröhliche Weihnachten 1979. Nach der Heiligabendbescherung meldet das Fernsehen den Tod des ehemaligen Apo-Führers im dänischen Arhus. An einem Gründonnerstag 11 Jahre zuvor hatte ihm ein verhetzter Arbeiter in West-Berlin zwei Kugeln in den Kopf geschossen. Nun ist der 39-jährige  Dutschke, der nach dem Attentat wie ein Kind wieder sprechen lernte, an einem epileptischen Anfall, einer Spätfolge seiner schweren Verletzungen, gestorben.
Ein Jüngerer, der ihn kannte, sitzt bei Spekulatiusduft  bei den Schwiegereltern und ist wie gelähmt. Da tritt der Herr des Hauses auf ihn zu, hält zwei Cognacgläser in den Händen und prostet ihm gutgelaunt zu. Wie der Schwiegervater die "Siegesmeldung" kommentiert. hat der jüngere Freund nicht gehört.  Denn er ist an den Cognacgläsern vorbei aus dem geschmückten Zimmer gerannt und hat auf der menschenleeren dunklen Straße geheult wie ein Hund. So war der rote Rudi eben: Nicht nur im Leben, noch im Tod entzweite er die deutsche Familie".

M.Kupfer

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30. November 2008 7 30 /11 /November /2008 22:54

In Deutschland regierten insgesamt 3 große Koalitionen:

- die erste in der Weimarer Republik

- die zweite von Herbst 1966 bis Herbst 1969

- die dritte seit 2005.


Weil es hier ja um "68 und Co" geht, nehme ich die "Nr.2" vor:


Ein Jahrestag ist der 01.12.1966 - denn an diesem Tag nahm die erste bundesrepublikanische Große Koalition unter Kanzler Kurt Georg Kiesinger (CDU) und Vizekanzler Willy Brandt (SPD) ihre Arbeit auf.


Die Vorgeschichte:

1963 hatte Ludwig erhard den bis dahin seit Gründung der Bundesrepublik regierenden Kanzler Konrad Adenauer abgelöst. 1965 konnte er mit einem Stimmenanteil von über 47% einen gigantischen Wahlsieg verbuchen, was zur Fortführung der Koaltion mit der FDP führte. Erhard hoffte so, die soziale Marktwirtschaft in eine zweite Phase zu führen.


Allerdings zeigten sich Mitte der 60er Jahre bereits erste Wirtschaftsbeben, so zum beispiel in Nordrhein-Westfalen, wo sich vor allem im Ruhrgebiet eine Strukturveränderung bemerkbar machte. Das Ergebnis: Die Landtagswahlen in NRW 1966 gewann die SPD - abgewählt wurde sie dort erst 39 Jahre später, nämlich im Jahr 2005.


Im Herbst 1966 kündigte sich eine Rezession an - auf die Ludwig Erhard nur mit althergebrachten Wirtschaftspolitik reagierte. Die FDP verließ das Regierunsbündnis aufgrund haushaltspolitischer Differenzen am 27.10.1966 - es entfachte sich ein Streit über die Deckung des  Bundeshaushalts, in dem eine Lücke von 4 Mrd. DM klaffte, überdies betrug de Preissteigerungsrate 4,5%. Die CDU wollte eine Steuerhöhung zur Haushaltssanierung durchsetzen.


In der Situation erwog die SPD - Herbert Wehner erwies sich dabei als treibende Kraft - den Versuch einer Koalition mit der CDU. Nachdem Ludwig Erhard am 30.11.1966 zurück getreten war, kam es am 01.12.1966 zum Bündnis Kiesinger/Brandt (mehr).


Zum Kabinett gehörten außer Willy Brandt und Kurt Georg Kiesinger noch Horst Ehmke, F.J. Strauß, Gustav Heinemann, Karl Schiller, Gerhard Stoltenberg, Herbert Wehner und Georg Leber.


Erwähnenswert auch damals die Diskussionen, die Schlagwörter dürften uns bekannt vorkommen: Elefantenhochzeit,  Vernunft, Krise muss bewältigt werden,  Bündnis auf Zeit, die extremen Ränder werden gestärkt....


Die wichtigsten Aufgaben der GK damals:


- Sanierung des maroden Haushalts;

- Eindämmung der Staatsschulden - und der ersten Rezession seit 1945;

 (Beides gelang der GK dank des "Plisch-und-Plum"-Gespanns von Strauß und Schiller).


- Die Eingriffsrechte der Alliierten in die Souveränität durch Erlass der Notstandsgesetze - wozu im Bundestag eine zwei-Drittel-Mehrheit nötig war, Dieses Gesetzesvorhaben führt zu gewaltigen Protesten der APO 1968. Allerdings war die APO kein rein deutsches Phänomen, etwa als Reaktion auf die Große Koalition, vielmehr gab es schon in anderen Staaten vergleichbare oppositionelle Bewegungen, z.B. in Frankreich, USA, Skandinavien, Italien, Japan, aber auch in Osteuropa (CSSR!).


- Mehrheitswahlrecht wie in den USA und in GB einführen, damit stets eine Partei die absolute Mehrheit erhalte und nicht auf Koaltionen angewiesen sei. Das Vorhaben aber scheiterte an der SPD - und daran, das sich die CDU/CSU mit der FDP überwarf, um deren politisches Überleben dabei ging.


Das Vernunftbündnis hielt bis zur nächsten Wahl im Herbst 1969 - die CDU/CSU verfehlte die angestrebte absolute Mehrheit, es kam zur ersten sozial-liberalen Koalition, zunächst geführt von  Brandt und Scheel, später von Schmidt und Genscher. Diese währte bekanntermaßen bis zur "Wende" 1982.


Geblieben sind  das Stabilitätsgesetz sowie die Notstandsgesetze - und der "Mythos 68", der sich mehr durch Veränderungen im Lebensstil und eine Liberalisierung auszeichnet, denn ducrh politische Projekte.


Aber - wie hieß es damals: Das Politische ist privat, das Private ist politisch...


M.Kupfer


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26. November 2008 3 26 /11 /November /2008 00:21

Von Rainald Grebe habe ich ja schon etwas zum Thema 68er-Bashing eingestellt.


Hier noch ein herrliches Beispiel, diesmal vom Schweizer Fernsehen:

Tjaaaa, schön, wenn man so ein kompaktes Weltbild hat...

Noch mehr Lachnummern bitte!


M.Kupfer

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22. November 2008 6 22 /11 /November /2008 11:48

Nur zur Erinnerung:


Heute vor 45 Jahren fiel der damalige US-Präsident John F. Kennedy einem Attentat zum Opfer. Viele Theorien sind seitdem gesponnen worden, ein Lee Harvey Oswald wurde im Anschluss als Hauptverdächtiger verhaftet und  von einem Jack Rubin erschossen, der fiel später auch einem Mörder zum Opfer.



Der Oliver-Stone-Film J.F.K. zeigt sehr anschaulich die "Unlösbarkeit" dieses Verbrechens seinerzeit.


Was hat das mit "68" zu tun?


Viel, denn John F. Kennedy war Hoffnungsträger einer liberalen und aufgeschlossenen Jugend, desgleichen sein Bruder Robert Kennedy, der 1968 einem Mordanschlag zum Opfer fiel. Beide Kennedys bedeuteten den Aufbruch in eine neue, bessere und vielleicht gerechtere Welt (ob dies nachher so eingetreten wäre, bleibt dahin gestellt).


Die Mordanschläge auf die Kennedyys prägten die Jugend der 60er Jahre entscheidend. Das  Credo: Es gibt eine wie auch immer geartete Macht, die diese offene, gerechtere, vielleicht friedlichere Welt nicht will, und dafür über Leichen geht...


Letztlich: Wofür trat die protestierende Jugend der 60er Jahre ein? Womöglich genau die Werte und Philosophie, die sie mit einerKennedy-Regierung in den USA assoziierten.


M.Kupfer

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10. November 2008 1 10 /11 /November /2008 09:37
Kleiner Nachtrag zum 09.11. als Gedenktag:

Vor der RAF-Gründung 1970 gab es - als frühere militante Gruppe - die Tupamaros West-Berlin (TW) , die seit Herbst 1969 mit Bombenanschlägen in der Bundesrepublik von sich reden machte.

Der Name orientiert sich an einer seit 1963 bis in die 70er Jahre aktiven Stadtguerilla aus Uruguay - die in Großstädten Anschläge verübten, hochgestellte Persönlichkeiten entführten und im Wesentlichen als Vorbild der späteren RAF gelten dürfte.

Eine der ersten - umstrittenen - Aktionen der TW war der Bombenanschlag auf das jüdische Gemeindehaus in Berlin. Dies Bombe sollte zu einer Gedenkveranstaltung zum Novemberprogrom explodieren. Dazu kam es wegen eines technischen Fehlers (überalterte Zündkapsel) zum Glück nicht. Im Falle der Explosion aber wäre das Haus zerfetzt worden, es hätte bei den 250 Besuchern - darunter der Berliner Bürgermeister und der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Heinz Gallinski zahlreiche Todesopfer gegeben.

Deponiert hatte die Bombe Albert Fichter, auch Dieter Kunzelmann - Kommunarde - war verdächtig, dieser stritt eine Tatbeteiligung aber vehement ab.

2005 stellte der Historiker Wolfgang Kraushaar fest, dass der V-Mann Peter Urbach die Bombe beschafft hatte, wobei dessen Rolle aber nach wie vor Anlass zu Spekulationen gibt (mehr)...

Das Jahr 1969 bildete nicht zuletzt deshalb eine Zeitenwende. SDS und APO waren tot, manch früherer Aktivist landete im Untergrund, manch anderer in der neuen sozialliberalen Regierung von Willy Brandt, die ebenfalls im Herbst 1969 antrat.

M.Kupfer

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9. November 2008 7 09 /11 /November /2008 12:35
Welche Ereignisse verbinden wir Deutschen mit dem 09. November?

1989:

Ich bin ja der Meinung, dass das eigenlich der Tag der deutschen Einheit hätte werden müssen, nicht der 03.10. . Denn am 09.November 1989 öffneten sich Grenze und Mauer in Berlin - das Ende der deutschen Teilung war besiegelt. Nach wochenlangen friedlichen Demonstrationen in der damaligen DDR in Leipzig, Berlin und anderswo - "Wir sind das Volk!" - brach der Damm und das kam so:

Am Abend es 09.11.1989 hält Günter Schabowski, Mitglied es Politbüros der SED eine Pressekonferenz vor Journalisten aus aller Welt, die vom DDR-Fernsehen live übertragen wird. Auf die Frage des italienischen Journalisten Riccardo Ehrmann holt er einen Zettel aus der Tasche, den er zuvor von Egon Krenz bekommen hatte (Nachfolger von Erich Honecker) und liest vor: "Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Reisevoraussetzungen - Reisanlässe und Verwandtschaftsverhältnisse - beantragt werden. Genehmigungen werden kurzfristig erteilt. Die zuständigen Abteilungen Paß- und Meldewesen der VPKÄ in der DDR sind angewiesen, Visa zur ständigen Ausreise unverzüglich zu erteilen, ohne dass dabei noch geltende Voraussetzungen für eine ständige Ausreise vorliegen müssen." Schabowski kann nicht so recht glauben, was er da gerade gelesen hat.

Mit der nächsten Frage wird er sogleich konfrontiert: "Gilt das auch für Westberlin?". Er zuckt mit den Schultern: "Also doch, doch..." - und liest weiter vor: "Die ständige Ausreise kann über alle Grenzübergangsstellen zur BRD und Westberlin erfolgen". Die nächste Frage: "Wann tritt das in Kraft?", Schabowski antwortet: " Das tritt nach meiner Kenntnis...ist das sofort, unverzüglich".

DDR-Fernsehen (Aktuelle Kamera) und Tagesschau melden um 20:00 Uhr, dass die DDR die Grenze öffnet.

Um 20.30 Uhr treffen die ersten DDR-Bürger am Grenzübergang Bornholmer Straße ein, da sie aber kein Visum haben, geht es noch nicht raus. Es kommen immer mehr, gegen 21:00 forden sie lautstark "Tor auf, Tor auf!"

Die Grenzer haben aber noch keinen befehl zur Grenzöffnung erhalten, die Situation spitzt sich zu.

Gegen 22:30 Uhr ruft der diensthabende Grenzer seinen vorgestzten an und fragt, ob er nicht die Grenze öffnen könne, lange ginge das nicht mehr gut.

Er stellt die Kontrollen ein und lässt die Leute raus.
Andere GüSt in der Stadt folgen.... Um 00:02 Uhr sind alle GüSt in der Stadt geöffnet.



Gleich im Jahr 2008 gibt es zwei "runde" Gedenktage - 1918 und 1938.

1938
Besonders hervorzuheben ist der  09.11.1938, die sog. Reichsprogromnacht  - durch die Nazis verharmlosend beschrieben als "Reichskristallnacht". Darüber ist bereits viel geschrieben und gefilmt worden: Die Nacht, in der die Synagogen brannten, die Nacht, in der die Geschäfte jüdischer MitbürgerInnen verwüstet wurden, die jüdischen Deutschen in ihren Wohnungen überfallen, misshandelt, verhaftet - und nach neueren Erkenntnissen 400 jüdische Deutsche zu Tode kamen - ermordet oder durch Selbstmord aus Verzweifelung. ... 70 Jahre ist dies her und nicht in Vergessenheit geraten. Andere Wissenschaftler gehen sogar von ca. 1500 Opfern allein in der Nacht vom 09. auf den 10. November aus. In den Tagen danach wurden Abertausende in KZ verschleppt...




1918
Der 1. Weltkrieg ist fast beendet (11.11.1918), das Kaiserreich zusammen gebrochen. Es ist der erste Tag der (Weimarer) Republik, als der Kaiser abdankt und Reichskanzler Ebert und Philp Scheidemann verkünden, dass die nächste Regierung eine Volksregierung sein wird... Die Ereignisse an dem Tag überstürzen sich. Ein guter Schritt - die republik anstelle des Kaiserreichs zu setzen. Dennoch - Weimar hatte bekanntlich seine Schwächen. Die Nachfolgeregierung war braun und führte über die Reichsprogromnacht zum Holocaust und zum zweiten Weltkrieg.

1923
Ein fast rundes Datum bildet der 09. November 1923: es ist der Tag des Hitler-Ludendorff-Putsches, der als "Marsch auf die Feldherrenhalle" in München bekannt gewordene gescheiterte Sturm von "rechts".


1967
09.11.1967: Zwei Studenten stören die Rekoratsübergabe
an der Hamburger Ordinarienuniversität mit dem Transparent "Unter den Talaren Muff von 1000 Jahren." Nach Ausage der beiden wollten sie die unrühmliche Rolle der Universität(en) während des dritten Reiches hinweisen - eine Aufarbeitung hatte bislang nicht statt gefunden.


1974
09.11.1974: Holger Meins, RAF-Terrorist, stirbt in der Haft nach 7 Wochen Hungerstreik. Die zweite RAF-Generation sieht darin ein Fanal, Holger Meins wird zum Märtyrer, die Terrorwelle ab Mitte der 70er Jahre rollt an...

Was haben denn die beiden letzten Ereignisse mit den anderen zu tun?
Viel, sehr viel.

An die ewig nörgelnden 68-er-Basher: Die Talar-Muff-Aktion war harmlos, sie war eine typische "Eulenspiegel"-Aktion. Die beiden Studenten haben dem Establishment - um beim Wording der APO zu bleiben - die lange Nase gezeigt, angesichts der brutalen Aktionen 1923 und 1938 nur zu notwendig. Der Respekt der Altvorderen war dahin, nicht, weil Eulenspiegel zuschlug, sondern aufgrund ihres Umgangs mit der Geschichte des Dritten Reiches und ihrer vielleicht eigenen unrühmlichen Rolle...

Die RAF-Mitglieder waren keine lustigen Eulenspiegel mehr - aus den Spaß-Guerillas wurde die Stadt-Guerilla mit den bekannten Folgen. Die RAF war beflügelt von dem Gedanken, die Bundesrepublik sei ein faschistischer Staat.

Gudrun Ensslin 1967: "Das ist die Generation von Auschwitz - mit denen kann man nicht reden!" Alles hängt irgendwie zusammen...

Übrigens: Der 09.11.1988 war auch so ein denkwürdiger Tag - der damalige Bundestagspräsident Dr. Philipp Jenninger, CDU - hielt eine missverständliche Rede zum Gedenktag - und trat 24 Stunden später zurück... Aber derartige Ereignsse "zählen" nicht wirklich hinzu, weil sie als Reaktion insbesondere auf die Reichsprogromnacht zu verstehen sind.

M.Kupfer

 
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9. November 2008 7 09 /11 /November /2008 11:27
Noch so ein Datum der Post-68er-Zeit: Holger Meins, RAF-Mitglied, in Haft in der JVA Wittlich stirbt am 09.11.1974 nach 7 Wochen Hungerstreik - und wurde so zum Märtyrer für radikale Linke.

Die Folgen: Der Überfall der RAF auf die deutsche Botschaft in Stockholm am 24. April 1975 durch das "Kommando Holger Meins", die tödlichen Attentate auf Siegfried Buback (und seine Begleiter) und Jürgen Ponto sowie die Entführung und Ermordung von Hans Martin Schleyer 1977....

Fatal war die Vorgeschichte des Hungerstreiks, an dem sich 40 Gefangene der ersten RAF-Generation  beteiligten - kurzfristiges Ziel war, die strenge Isolationshaft zu beenden.

Andreas Baader sagte dazu:"Es werden Typen dabei draufgehen".

Holger Meins wollte schließlich sterben - "entweder schwein oder mensch, entweder problem oder lösung, dazwischen gibt es nichts...das ist für mich: dem Volke dienen"- so formulierte er in seinem Abschiedsbrief - ermuntert auch durch ein Kassiber von Gudrun Ensslin: "Du bestimmst wann du stirbst, Freiheit oder Tod".

Für den späteren RAF-Terroristen Stefan Wisniewski war die Organisation der Beerdigung von Holger Meins die letzte legale politische Aktion.

M.Kupfer

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9. November 2008 7 09 /11 /November /2008 10:27
Der 9. November bildet sogar bei "68" einen Meilenstein.

Denn am 09.11.1967 kam es zu jenem berühmten Photo:

Was ist zu sehen: Zwei nette junge Herren im dunklen Anzug steigen eine Treppe in der Hamburger Universität hinunter. Hinter ihnen: Ältere Herren in merkwürdig mittelaterlich wirkender Kleidung, die verknatscht gucken. Die jungen Herren schauen dagegen vergnügt.



Sie halten ein  schwarzes Stofftransparent mit deutich erkennbarem weißen Schriftzug, hinter dem die älteren Herren laufen. Zu lesen ist ein Satz, der Geschichte machen sollte: "Unter den Talaren Muff von 1000 Jahren".

Die Situation: Es ist die feierliche Rektoratsübergabe im Audimax der  Hamburger Ordinarienuniversität. Zur offziellen Übergabe schritten die Lehrstuhlinhaber in ihren traditionellen akademischen Trachten (Talare) in einer feierlichen Prozession ins Audimax.

Der Student Detlev Albers hatte das Transparent in seinem Anzug gefaltet versteckt und sprang "im richtigen Moment" mit seinem Kommilitonen Gert Hinnerk Behlmer (der das Transparant gefertigt und sich den Text ausgedacht hatte) vor die feierliche Prozession. Die Rektoren und Professoren konnten nicht lesen, was auf dem ca. 0,50m x 3,00m großenTransparent stand - wohl aber die Pressefotografen, die das Bild zur Ikone machen sollten.

Detlev Albers war damals Jurastudent und seit 1966 in der SPD. Später war er selbst Konrektor an der Uni in Bremen (1977-1981) und Professor am Institut für Politikwissenschaften an der Universität Bremen,  von 1996 bis 2004 Landesvorsitzender der Bremer SPD. Er starb am 31.05.2008.

Gert Hinnerk Behlmer war bis Ende 2005 Staatsrat bei der Hamburger Kultursenatorin.

Die Hintergründe dieser Aktion erklärte Detlev Albers im Jahr 2005 wie folgt:

"Mit dem Transparent wollten wir die Hochschulen darauf stoßen, dass sie sich bislang vor der Aufarbeitung ihrer Rolle im "Dritten Reich" gedrückt hatten (mehr...)..."

M.Kupfer

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7. November 2008 5 07 /11 /November /2008 21:31
Herrlich, so kann man 68er-Basher treffend darstellen:



Na? Ich hör sie reden, die Diekmanns und Hermanns und  Generation-Golfler und Westerwelles und  Sarkozys und Stoibers und wer weiß wen noch. Achja und meinen Lieblings-Oberindianer....

M.Kupfer
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7. November 2008 5 07 /11 /November /2008 12:50
Welch Aktion:

Am 07.11.1968 erhielt der damalige Kanzler Kurt Georg Kiesinger, CDU  (Große Koalition Kiesinger-Brandt) - von politischen Gegnern als "Häuptling Silberzunge" verschrien - vor laufenden Fernsehkameras eine
schallende Ohrfeige von der Studentin Beate Klarsfeld.


Sie wollte damit verdeutlichen, dass ein Teil der Deutschen sich dagegen wehre, dass ein Nazi Kanzler der Bundesrepublik Deutschland sei. Die damals 29-jährige Beate Klarsfeld war mit dem Sohn eines französischen Auschwitzopfers - Serge Klarsfeld - verheiratet

Tatsächlich war Kanzler Kiesinger einst NSDAP-Mitglied - Nr. 2633930 - und von 1943 an Vize-Chef der Rundfunk-Propaganda im Auswärtigen Amt. Um sich möglichst "ritterlich" zu geben, stellte Kiesinger zunächst keine Strafanzeige, später aber kam es dann doch zum Strafverfahren.

 Beate Klarsfeld wurde zu einem Jahr Haft verurteilt, das Strafmaß wurde dann aber auf vier Monate auf Bewährung reduziert.

Beate Klarsfeld beschreibt die Vorfälle damals in einem
Interview  als "symbolische Tat".

Sie ist heute noch aktiv an der
Aufdeckung von Naziverbrechen beteiligt.

M. Kupfer
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