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28. November 2013 4 28 /11 /November /2013 20:46

28.11.2003: Ich verlasse Hamburg. Zehn Jahre ist das heute her. Ein Mietwagen voller Sachen aus der Zweitwohnung, Trauer über den Verlust der Zweitheimat, Angst vor der Zukunft.....

 

Ich hatte von Frühling 2000 bis November 2003 in Hamburg gearbeitet und gelebt, hatte Bekanntschaften und Freundschaften geschlossen, manches erlebt und gesehen. Und ich bin an den Wochenenden nach Hause gependelt.

 

Ende November 2003 endete meine Tätigkeit dort, ich brach alle Zelte ab und kam "nach Hause", nahe Bielefeld. Bewerbungsbemühungen seit 2001/02 blieben auf Teufel komm raus erfolglos.....

 

Warum ich das erzähle? Damals war das eine Zäsur in meinem Leben. Wie es beruflich weiter gehen sollte, war völlig unklar. Eines war nur klar, ich würde erst einmal etwas Zeit haben, um meine Familie wieder an mich zu gewöhnen. Unser Sohn war seinerzeit gerade 2,5 Jahre alt und fremdelte etwas mit mir. Unsere Tochter sollte erst gute 2 Monate später zur Welt kommen.

 

Das war auch das Beste 2003/04. Aber beruflich fühlte ich mich aufs Abstellgleis geschubst. Ich war Mitte 30, Akademiker - Jurist - und hatte in Hamburg Tätigkeiten verrichtet, die für meinen Beruf eher untypisch waren. Projektarbeit zum Beispiel. Und ich habe Fragen der Planung und Steuerung in der öffentlichen Verwaltung behandelt. Controlling. Leitbilder. Schon spannende Arbeitsfelder, die Lust auf mehr machten. Aber diese Themen waren auf dem Markt für Juristen offenbar nicht gefragt.

 

Mein Kopf war dennoch voller Ideen. Was geht? Unternehmenssteuerung und Juristeri kombinieren? Synergien nutzen? Mit wem? Wer sind die hier alle überhaupt? Ich fand es vor allem "unfair", dass ich mit meinem Blick "über den Tellerrand" und den Pendelmühen, die ich jahrelang auf mich genommen hatte, auf dem Markt nicht wirklich gefragt war. Ich hatte doch nun wahrlich mehr zu bieten, als andere in meinem Beruf....

 

Mal ganz unabhängig davon, ob meine Einschätzung zutreffend war, oder nicht - ich befand mich erst einmal im Haifischbecken des Beratermarkts. Zunächst leitete ich alles Notwendige ein, um eine Anwaltszulassung zu erlangen.


Dann entstanden Kontakte zu völlig wildfremden Menschen - Berater, die ich überhaupt nicht einschätzen konnte. IT-ler? BWLer? Medienleute? Versicherungsmenschen? Einen Verein, der sich die Unterstützung des Mittelstandes in der Region auf die Fahnen geschrieben hatte, besuchte ich öfters.

 

Und dann war da die Kanzlei eines mittlerweile leider verstorbenen Freundes und Ex-Kommilitonen, der mir seinen Kanzleisitz als Adresse für die Zulassung bot.

 

Gleichwohl, bei allen interessanten Kontakten, bei allem, was etwas nach Neuanfang aussah - alles war ungewiss, unklar, unberechenbar. Für mich völlig ungewohnt.

 

Eine Sache, die mich lange Zeit unterschwellig belastete seinerzeit, war die mehr oder weniger deutlich getroffene Aussage: Mit DEM, was DU zu bieten hast, können wir gar nichts anfangen. DU fängst am besten noch einmal von vorne an! Controlling und Juristerei? Das will doch keiner! Und überhaupt -  juristisch hast du ja noch gar nicht richtig gearbeitet......

 

Merkwürdige Projekte wurden mir deshalb angetragen - Dinge, die nicht nur nichts mit mir zu tun hatten, sondern darüber hinaus auch noch darauf hinaus liefen, dass man sich mehrfach traf, redete, redete und redete - und dann unverrichteter Dinge wieder auseinander ging.Die Projekte wurden ergebnislos zerredet.......das schien normal zu sein.


So lief es ein Weilchen im Jahr 2004 - bis ich im Spätfrühling beschloss, die Finger von der Freelancer-Bauchladen-Berater-"Karriere" zu lassen und mich wieder intensiv auf juristische Stellen zu bewerben.

 

Die Geschichte endete gut - nach einem Jahr "in der Luft" war ich wieder in Lohn und Brot, und das bin ich heute ohne Unterbrechung immer noch. Es war das erste Jahr der Agenda 2010, ich bin Hartz4 und den ganzen anderen Schreckgespenstern noch gerade von der Schippe gesprungen.

 

Bereichernd war die Zeit auch für meine politische Prägung: Ich hatte Kapazitäten frei und hängte mich für die Grünen in den Kommunalwahlkampf 2004. Beinahe wäre ich noch beim sozialen Bündnis in der Region gelandet - eine Antwort auf die Schröderagendapolitik. Aber die waren sehr gewerkschaftslastig....bei allem Respekt vor den Gewerkschaften stellte ich fest, dass das nicht meine Welt war.

 

Bei allem beruflichen Verdruss: Ich habe außerdem wieder den lange nicht vorhandenen Familienanschluss gefunden: Mit meinem Sohn ging ich zum Schwimmen, zum Kinderturnen, zu Sportfesten auf Spielplätze, wir spielten, ich las ihm vor, wir guckten lustige Kinderfime. Unsere Tochter wurde geboren und ich konnte auch für sie da sein - und natürlich für meine Frau, was gerade in den Wochen nach der Geburt für alle gut war. Ganz nebenbei gewöhnte ich mich langsam und stetig an meine neue Anwaltsexistenz. Eine besondere Art der Wiedereingliederung......

 

Und Hamburg? Die Stadt habe ich aus beruflichen Gründen nachher immer wieder besucht und es wird auch 2014 so sein, 2015 und ich weiß nicht wie oft.....

 

M.Kupfer

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18. Mai 2012 5 18 /05 /Mai /2012 21:02

Viel gelesen und gehört habe ich schon zu allen möglichen Varianten des Zeit- und Organisationsmanagement. Schulungen besucht, Bücher gewälzt, je nach Arbeitgeber dieses oder jenes Konzept "erprobt", mit Simplify-Lektüre losgelegt....und was ist??

 

Die Steuererklärung schiebe ich vor mich her, Überweisungen kommen gerne am letzten Tag (immerhin!), mein Schreibtisch sieht aus wie, naja, ihr wollt es nicht wirklich wissen.... Nix mit FIFO, nix mit Eisenhower-Prinzip, nix mit Postkorbübungen á la Assessment-Center....

 

Ich bin zwar nicht perfekt organisiert nach Businessprinzipien, ABER ich komme klar!!

 

Auch nicht schlecht. Auch wenn ich einen Schriftsatz am letzten Tag der Frist verfasse, auch, wenn die Steuererklärung fröhlich vor sich hin wartet, auch wenn ich die Fahrkarte erst kurz vorher besorge - es wird, wenn auch spät und irgendwie hat sich noch nie wirklich jemand beschwert.

 

Mein Prinzip: LD - Lust und Dringlichkeit

 

Woanders heißt das Aufschieberitis, bei mir heißt es LD. Im Zweifel gehen Dinge, die mir Spaß bereiten und auf die ich Lust habe vor, es sei denn, es steht wirklich etwas IRRE Wichtiges und Dringliches bevor....

 

Und hey, es klappt! Wenn ich auf etwas Lust habe, grabe ich mich hinein, arbeite wie blöd und kämpfe, was das Zeug hält. wenn es nur "Pflicht" ist...naja, dann mach ich es halt, aber richtig gut wird es nicht...

 

Und noch etwas: Ich weiß, dass es nicht perfekt ist und irgendwie geht es natürlich immer besser, immer geht es optimaler....auch daran arbeite ich stets. Weil ich große Lust habe, dass mein LD-Prinzip funktioniert...:-)

 

M.Kupfer

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15. April 2012 7 15 /04 /April /2012 15:34

....da ist der Wurm drin und ich als Anwalt weiß: Das werden wir verlieren, es geht allenfalls um Schadensbegrenzung, um nichts anderes. Das ist frustrierend für meine mandantschaft und natürlich auch für mich. Dennoch - eine Rechnung muss ich schreiben, auch wenn das Ergebnis nicht so ist, wie erhofft.

 

Aber Anwälte werden nun einmal als Dienstleister beauftragt und bezahlt.

 

Und dann gibt es Fälle, deren Ausgang ungewiss ist, bei denen aber ein gewisser Grund zum Optimismus besteht - und gleichzeitig meinen Kampfgeist wecken. Das sind meine Lieblingsfälle.

 

Seit einiger Zeit liegt so ein Fall auf meinem Schreibtisch - mit einem Sachverhalt, der als Blaupause für den nächsten Thriller von Grisham oder Harris dienen könnte, als Vorlage für den nächste Tatort oder Polizeiruf 110 wäre die Geschichte auch geeignet...

 

Ich erzähle nicht zuviel, aber es geht um einen harten Wettbewerb in einer bestimmten Branche, schmutzige Deals der mächtigen Konkurrenz mit großen und angesehenen Anwaltskanzleien - und meinen Mandanten, der mit Hilfe mietrechtlicher Tricks von seinem Standort vertrieben werden soll.

 

Tja, es geht um alles....

 

Später mal mehr...

 

M.Kupfer


 

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7. Juni 2011 2 07 /06 /Juni /2011 14:37

Ich schaue in den Spiegel - und was ich seh, gefällt mir.

 

Ich messe ca. 1,83 m, bin bald 45, habe volles braunes Haar, bewusst lässig länger gehalten, zum Durchwuscheln, weil ich nicht aussehen will, wie ein Banker und weil es zu mir passt.

 

Ich habe in den letzten sieben Wochen erfolgreich 10 kg abgespeckt, und bin mächtig stolz darauf, mein Idealgewicht erreicht zu haben.Und hey, ich sehe, eigentlich bin ich ein athletischer Typ, war mir bei den Speckrollen nie so klar.... Das ist jedenfalls das Ergebnis einer Gemeinschaftsaktion von mir und meiner Frau, das gezielte Abnehmen. Dran bleiben heißt es jetzt, Gewicht halten, nur nicht schwach werden...!! Der nächste Winter kommt bestimmt. Der Frühling hat uns jedenfalls gut getan, was man bei uns gut sehen kann.

 

Ich trage im Alltag für gewöhnlich dunkle Anzüge oder Kombinationen mit einem hellen Hemd, gerne offen, wenn es sein muss, mit Krawatte, was mein Beruf - Anwalt - durchaus das eine oder andere Mal erfordert. Zur Zeit fühle ich mich wie George Clooney, Daniel Craig oder Richard Gere, wenn ich durch unsere Stadt wandele.

 

Stehe ich nackt vor dem Spiegel, mag ich jetzt auch wieder hinsehen. Ich bin wieder saunatauglich, das ist gut, der Bauch ist weg, die Hüftpolster, und auch sonst ..... ich muss mich jedenfalls nicht verstecken.

 

Ich habe nie irgendeinen Gefallen an Tätowierungen oder Piercings gefunden, die einzigen subkulturellen Extravaganzen bestanden in einem Ohrring, den ich 1999 wieder herausnahm, sowie langen Haaren á la Jim Morrison zu Beginn meiner 20er.



Naja, o.k., ein paar Muskeln mehr könnte ich vertragen, um tatsächlich eine ernsthafte Konkurrenz zum Beispiel für Daniel Craig darzustellen, aber an die Klasse der drei benannten Herren komme ich ohne Weiteres ;-).

 

Am Wochenende habe ich mal wieder Klausuren geschrieben - wie zu meinen fittesten Zeiten vor ca. 20 Jahren, im Rahmen einer Fortbildung. Mann, erstens habe ich gar nicht gewusst, dass ich überhaupt noch zwischen 20 und 30 Seiten mit dem Füller schreiben kann, ohne dass mir die Hand abfällt, zweitens war ich überrascht über mein Zeit- und Stressmanagement. Ich kann es noch - wie in meinen 20ern - an drei Tagen hintereinander Klausuren á 5 Stunden zu schreiben....

 

Mein Rat ist gefragt, im Beruf, in der Famile, bei Freunden. Ich hab meistens Humor und habe ein Faible für Situationskomik sowie Schlagfertigkeit.

 

An Selbstbewusstsein mangelt's jetzt jedenfalls nicht.

 

Wer jetzt meckert nach dem Motto, Hochmut kommt vor dem Fall, dem sage ich Folgendes: Eine Midlife-Crisis nebst Winter-Depri - wie im ersten Quartal dieses Jahres - ist wirklich nicht lustig.

 

Was ich jetzt sehe und beschreibe, ist das Ergebnis knallharter Arbeit an Körper und Seele in den letzten zwei Monaten und darf deshalb lobend erwähnt und gefeiert werden. Diese Haltung tut mir gut und allen anderen, die mit mir zu tun haben, damit ebenfalls.

 

Ich hoffe, ich fühle mich noch lange zu cool für diese Welt....



M.Kupfer

 

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12. März 2010 5 12 /03 /März /2010 22:49
Hatte mal wer hier eine Panne auf der Autobahn, mit Motorproblemen, Liegenbleiben und Abschleppen?

Mein Debüt war gestern auf der A2. Ich kam gerade von einer Gerichtsverhandlung und war ca. eine halbe Stunde von meinem Ziel entfernt, als ich ein befremdliches Motorverhalten feststellte. Ich konnte noch so sehr im 5.Gang fahren und Gas geben, der Wagen schaffte gerade mal 120 km/h auf der linken Spur, der Drehzahlmesser ging in die Höhe, der Motor hörte sich an, als würde ich wer weiß wie beschleunigen, aber das Gegenteil trat ein - ich wurde langsamer.

Ich wechselte auf die Mitte, dann auf die LKW-Spur, hier erreichte ich gerade mal 80 km/h - mittlerweile im 4. Gang - der Wagen vibrierte, mir blieb nichts anders übrig, als das Warnblinklicht einzuschalten und auf die Standspur zu fahren. Dann roch es auch schon komisch.

Ich hatte ähnliches mal mit einem anderen Wagen erlebt, da benötigten Motor und Getriebe eine kleine Erholung, dann ging es weiter. Hier ging gar nichts mehr. Ich hatte genug Benzin, ich hatte genug Öl und nun stand ich da...

Mein Handy hatte zum Glück eine eingespeicherte Nummer für einen Pannenservice, der mich sogleich mit meinem Versicherer verband - der Pannenservice mit Abeschleppdienst war also schon einmal "umsonst". Der Callcenter-Mann sagte mir Hilfe binnen 45 Minuten zu und riet mir noch zu "Selbstverständlichkeiten", ich solle das Auto verlassen, die Signalweste anziehen und das Warndreieck aufstellen (Wo war das denn noch einmal...?) und dann hinter der Leitplanke warten.

Das tat ich also - ich fror mir ca. 90 Minuten einen ab, wartend an der Autobahn hinter der Leitplanke.

Zum Glück waren die Rahmenbedingungen trotz Kälte und ein wenig Furcht vor einem Unfall halbwegs erträglich:

- es regnete nicht;
- es war hell;
- der Gerichtstermin lag hinter mir, es bestand kein Zeitdruck;
- ich war allein (keine Kinder dabei);
- das Auto stand auf der Standspur und nicht mitten auf der Fahrbahn;
- niemand rauschte in mein Auto hinein;
- es kam tatsächlich jemand zum Abschleppen.

Das Auto wurde also abgeschleppt, bis zur Werkstatt meiner Wahl (!), wofür ich dem Fahrer sehr dankbar war. Mal sehen was jetzt ist. Ein erster Blick unter die Motorhaube ergab einen erheblichen Kupplungsverschleiß. Das ist aber eine andere Geschichte.

Glück im Unglück, muss ich sagen, muss ich aber nicht noch einmal haben.

M.Kupfer
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1. September 2009 2 01 /09 /September /2009 21:38
Seit ca. 1,5 Jahren läuft ein Prozess einer ehemaligen Führungskraft gegen ein von mir betreutes Unternehmen.

Das Unternehmen hat zig Filialen, die Klägerin war bis vor ca. 2 Jahren Filialleiterin. Dann erhielt sie die Kündigung.

Der Grund: Sie hat nach Auffassung meiner Mandantschaft Intrigen gesponnen, Mitarbeiter  gegeneinander ausgespielt ("Mit dir will keiner arbeiten, alle beschweren sich über dich..."), Mitarbeiter wegen Fehlern öffentlich gemaßregelt und damit gedemütigt, von den Mitarbeitern gewünschte Gespräche nicht geführt, Verträge nicht an die Zentrale weiter geleitet. Sie selbst hat Kritik ihrer Vorgesetzten und anderen Mitarbeitern nicht angenommen. Sie hat Mitarbeitern, die sich an die Zentrale bzw. die Hierarchie wandten, um ihre Klagen gegen sie loszuwerden, unter Druck gesetzt. Nachdem sich nach einigen Gesprächen keine Verhaltensbesserung ergeben hatte, entschloss man sich zur Kündigung.

Natürlich hat diese Filialleiterin gegen die Kündigung geklagt.

Das Problem für das beklagte Unternehmen besteht darin, das Fehlverhalten "substantiiert", also so schlüssig wie möglich darzustellen. Anders als bei greifbaren Pflichtverletzungen, wie zum Beispiel häufigen Verspätungen, "Blaumachen" ohne krank zu sein, Beleidigungen und anderen Delikten am Arbeitsplatz kann man bei der Beschreibung falschen bzw. schlechten Führungsverhaltens eigentlich nur alles verkehrt machen. Denn schlechte Führung findet nicht an einem Tag ganz extrem statt, sondern dauerhaft, jeden Tag, über Monate/Jahre hinweg und zeigt sich im täglichen Miteinander, in unzähligen Situationen.

Die vielen Einzelsituationen, die  die Mitarbeiter erleben müssen, reichen für sich betrachtet einzeln im Zweifel nicht, um eine Pflichtverletzung daraus herzuleiten, die zur Kündigung berechtigt. Außerdem bestreitet die Gegenseite alles, was an Beispielen aufgelistet wird.

Unsere Strategie: Die Filialleiterin  wird zur sog. "Leitenden Angestellten", denen kann man sehr leicht kündigen und das erspart dem Arbeitgeber einen schwer zu fassenden Vortrag. Leitende Angestellte bewegen sich in der Hierarchie zwischen der Unternehmensführung und den Mitarbeitern, haben also fast Arbeitgeberrechte, indem sie zum Beispiel Mitarbeiter einstellen und kündigen können, außerdem sind sie Ansprechpartner des Betriebsrats, soweit einer vorhanden ist.

Bei der Argumentation kommt uns ein anderes Arbeitsgericht zur Hilfe, das diesen Status für alle Filialleiter in dem Unternehmen bereits rechtskräftig festgestellt hat. Eigentlich kann es nur noch schief gehen.

Übrigens: Allzuviel Mitleid mit der Dame ist wirklich unangebracht, die früheren Untergebenen sind heilfroh, sie los zu sein. Der Alptraum hatte mit der Kündigung ein Ende, was bei den Intrigen und dem Mobbingklima auch zu begrüßen ist.

Warum das Verfahren schon so lange dauert? Das hängt mit etwas ganz anderem zusammen und gehört hier nicht her.

M.Kupfer

 
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22. Januar 2009 4 22 /01 /Januar /2009 14:05
Kann sich noch wer an die Warmduscher, Röckchenträger und Turnbeutelvergesser erinnern?

Es gibt derartige Weicheikonstellationen auch für meinen Berufsstand - die Rechtsanwälte.

Da gibt es zum Beispiel

Anwaltsberuf-aus-nackter-Verzweiflung-Ergreifer
Beim-Aktenlesen-Finger-Befeuchter
Auf-Partys-Anwaltsvisitenkarten-Verteiler
Briefkopf-Geschmacklos-Gestalter
Akten-mit-nach-Hause-Nehmer
Kaffee-über-die Akte-Verschütter
Da-muss-ich-erst-meinen-Mandanten-fragen-Sager
Aussichtslose-Sachen-Vertreter
Im-Gesetz-Nachleser
Im-Plädoyer-Blackout-Haber
Kanzleischild-an-jeder- Hausecke-Anbringer
Mit-wehender-Robe-über-die-Gerichtsflure-Eiler

Weiteres ist hier unter http://www.mandantenversteher.de/ zu finden

Viel Spaß

LG M.Kupfer


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7. November 2008 5 07 /11 /November /2008 15:01
Geht's noch? Hat da wer zuviel britisches BSE-Rindfleisch gefuttert??

Die britische Regierung plant seit 2007 ganz konkret die vollständige Überwachung des gesamten Kommunikationsnetzes. Laut Medienberichten will die britische Regierung "Black Boxes" installieren, die jede Email, Daten zu jedem Telefonat UND jeder Internetverbindung speichern (mehr....).

Tja, die DDR mit ihrer Stasi könnte ja als abschreckendes Beispiel dienen. Leider wird die DDR  aber positiv ostalgisch verklärt - und in Great Britain interessiert sich keiner dafür.... George Orwell ist schon lange tot. Niemand muckt auf. Kann sich übrigens noch wer an die Datenpannen in GB erinnern??

Bevor jetzt irgendwelche konservativen Vernunftbolzen mit dem Argument kommen "Wer nichts zu verbergen hat, blablabla...":

1. Ja, habe ich,
2. geht keinen was an, und
3. bin ich froh, dass wir so ein strenges Bundesverfassungsgericht haben...

Kopfschüttel....

M.Kupfer



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26. Oktober 2008 7 26 /10 /Oktober /2008 11:34
Manchmal erlebt man als Anwalt vor Gericht die wildesten Überraschungen, jenseits der üblichen basarmäßigen Vergleichsverhandlungen.

Es ging um Folgendes: Der Inhaber eines kleinen Geschäfts - von mir vertreten - bemerkte irgend wann einmal Kassendifferenzen. Er hatte eine/n seiner Mitarbeiter/innen im Verdacht und um sicher zu gehen, installierte er eine Videoanlage im Geschäft, der die Kasse sowie einen kleinen Raum hinten im Lokal erfasste. In diesem Raum wurden Waren gelagert sowie "die Kasse gemacht".

Nach erster Sicht der Aufnahmen stellte er entsetzt fest, dass eine langjährige Mitarbeiterin - "das beste Pferd im Stall" - regelmäßig in die Kasse griff, wenn sie "die Kasse machte".

Er überführte sie einige Tage später mit einem Bekannten. Während des Gesprächs schrieb sie ein Geständnis und unterzeichnete einen Aufhebungsvertrag. Sie hätte auch die fristlose Kündigung bekommen können, aber sie entschied sich für den Aufhebungsvertrag.

Einige Wochen (!) später flatterte meinem Mandanten ein Anwaltsschreiben ins Haus: der Vertrag wurde wegen arglistiger Täuschung und widerrechtlicher Drohung angefochten. Darauf ging mein Mandant klugerweiser nicht ein, er antwortete ihm kurz und knapp - was dann eine Klage zurfolge hatte.

Der Prozess: Mein Mandant und ich bereiteten diesen sehr gut vor. Angesichts der fatalen Ereignisse z.B. bei Lidl in diesem Jahr sowie der strengen BAG-Rechtsprechung zur Videoüberwachung war ich ein wenig zurück- haltend, was die Präsentation dieses knallharten Beweises anging.

Die ehemalige Mitarbeiterin leugnete, was das Zeug hielt, in die Kasse gegriffen zu haben. Dabei hatte man ihr genau geschildert, wie sie vorgegangen ist, sie hätte also wissen müssen, dass man sie "in der Hand" hat.

Im Gütetermin blieb die Frau bei ihrer Leugnerei. Ich erzählte ihr auch noch einmal, was ich weiß (konnte man auf den Bändern sehr gut sehen!). Der Richter war auf unserer Seite, das war erkennbar. Das lag aber daran, dass die Gegenseite die behauptete Täuschung bzw. Drohung nicht schlüssig beschrieben hatte, deretwegen man hätte anfechten können. Der Anwalt der Gegenseite glaubte nicht so recht an unsere Vorwürfe. Ich bot an, das Video auf dem mitgebrachten Notebook anzuschauen (im Gütetermin ist es im Allgemeinen nicht üblich, Beweise zu erheben). Wir schauten uns das also auf dem Gerichtsflur an - ohne den Richter, der den Beweis offenbar noch nicht "verbrauchen" wollte.

Die Mitarbeiterin und ihr Anwalt sahen sich die erdrückenden Bewiese an. Bislang hatte sie ja immer geleugnet, Geld aus der Kasse in die Tasche gesteckt zu haben. Hier musste sie zugeben, es doch getan zu haben - und hatte gleich eine Erklärung parat! Ihr stünde das Geld doch zu. Sie habe vorher Wechselgeld eingezahlt... (der Vorgang war nirgendwo auf den Aufnahmen zu sehen).

Der Anwalt der Gegenseite hatte nun  genug gesehen und nahm seinen Mandantin gewaltig ins Verhör. Damit hatte er wohl auch nicht gerechnet...

Wir einigten uns schließlich auf eine für meinen Mandanten kostenlose Lösung, aus dem Aufhebungsvertrag wurde eine Kündigung, Geld war nicht mehr zu zahlen.

Unglaublich, dass diese Frau lügt wie bescheuert und das Gericht sowie den Anwalt - und meinen Mandanten - so in die Irre führt. "Das stand mir doch zu...." Unglaublich!

Unser Glück war, dass nun niemand die Rechtmäßigkeit der Videoaufnahmen infrage stellte (es wäre auch kein Problem gewesen für uns, aber die Diskussion hätte Zeit "gefressen"). Na - die Kripo hätte sich dafür auf jeden Fall interessiert. Wir hätten das auch weiter geleitet, mit Strafanzeige und allem, wenn der Fall nicht auf die Weise kurz und schmerzlos beendet worden wäre. Meinem Mandanten lag aber mehr daran, das ganze Spiel zu beenden und seine Geschäfte weiter zu führen.

M.Kupfer
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22. September 2008 1 22 /09 /September /2008 20:31
Ich habe es endlich getan: Mich von zwei ausgesprochen "faulen" Mandanten getrennt.

An die zwei - Brüder im fortgeschrittenen Alter - bin ich vor zwei Jahren geraten. Der erste  Fall hatte es in sich, kosten- und gebührenmäßig (Mietrückstände, Kündigung, Räumung pp). Auf einen Großteil des damals entstandenen Honorars warte ich heute noch.

Die anderen zwei bis drei Fälle erhielt ich, bevor die Rechnung des ersten Falles fällig wurde - und bevor ich erfuhr, dass der "Große" der beiden bereits 2005 eine eidesstattliche Versicherung abgegeben hatte....

Ist das vielleicht Betrug? Jedenfalls ist es eine Schweinerei.

O.k., sie sind an  klassische Prozesshansel
geraten, aber in der Abwicklung dieser Fälle erwiesen sich meine Mandanten als ausgesprochen unzuverlässig und unseriös. Lust, vor Gericht zu erscheinen, hatten die beiden jedenfalls nicht, weshalb sie die Gegenseite, den Richter und mich verärgerten. Meine Rechnungen bezahlen sie auch nicht. Auf wichtige Informationen und Unterlagen warte ich ewig. Festnetzanschluss und Fax haben sie - trotz eigenem kleinen Geschäft - nicht ("Die Telekom schlampt, wir wissen es auch nicht..."). Das Handy lassen sie klingeln. Nachrichten auf der Mailbox bleiben ums Verrecken unbeantwortet.

Aber dafür haben sie einen Swimming-Pool im Garten ihres riesigen Grundstücks... .

Und nun geht es eigentlich darum, ihrem Nachbarn eins auszuwischen... Auch hier: Warterei, Kungelei, Hinhalten.... Fahrtkosten werden nicht erstattet.
Als die bereits verfasste Klage versendet werden kann, drucksen sie wegen der Vorschüsse für die Gerichtskosten (ca. 140,--€) auch dumm herum. Tja, soll ich das vielleicht vorstrecken und nachher hinterher rennen?

Nee, kann man das nicht anders machen, können Sie nicht ne Ausahme machen....? Tja, wieviele Ausnahmen habe ich gemacht, wie sehr bin euch entgegen gekommen? Und wie sehr drückt ihr euch um die Zahlungen?

Zum Glück hat die Rechtsschutzversicherung zumindest eine Rechnung gezahlt, sonst wäre es ganz übel gelaufen.

A propos: Den üblicherweise zu zahlenden Eigenanteil i.H.v. 150,--€ je Fall haben sie mir bislang auch nicht bezahlt.

Kann ja mal sein, dass wer klamm ist und nicht gleich alles bezahlen kann, dann lasse ich mit mir reden, wegen Ratenzahlung und so.
Vorausgesetzt, ich kann auf den Eingang der Raten vertrauen... Hier habe ich unzählige Male Ratenzahlung angeboten. Die erste überhaupt ernstzunehmende Ratenvereinbarung - Fälligkeit war im März bzw. im Juni! - kam im November 2007 zustande. Zahlung ab Ende November in 5 Raten, Ende wäre demnach vor Ostern gewesen...

Das Ergebnis: Die erste Rate wurde nicht zum vereinbarten Zeitpunkt überwiesen, sondern zusammen mit der 2. Rate nach wochenlangem Nervenkrieg Anfang 2008. Die restlichen drei Raten  stehen noch aus. Toll, was? Dafür habe ich die Rechnung um 500,-€ gestutzt und den Verzicht auf die Verzugszinsen in Aussicht gestellt, wenn die Zahlungen pünktlich erfolgen. Von der Rechnungskürzung kann ich nicht mehr zurück (wenigstens einer muss hier Verlässlichkeit zeigen), die Zinsen aber werde ich berechnen.

Umsonst geht's nicht, wo kommen wir denn dahin?? Für das Thema Prozesskostenhilfe waren die zwei auch nicht zu begeistern (da muss man ja alles offen legen, neeee....).

Aber auch entscheidend für das "Schassen"  ist diese furchtbare Kungelei, dieses Taktieren und Hinhalten. Dieses Nicht-erreichbar-sein in Kombination mit Drängen-wenn-es-eng-wird.

Ich kann gut verstehen, dass der eine oder andere Klage gegen sie erhebt.

Jetzt reichts auch mir. Das aktuelle Mandat habe ich nieder gelegt, die Unterlagen bekommen sie zugeschickt und dann soll sich ein anderer Kollege um die Schwerenöter kümmern... (wenn sich einer findet).

Ansonsten gibt es ein Mahnverfahren wegen der noch offenen Forderungen...


M.Kupfer
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