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19. Februar 2012 7 19 /02 /Februar /2012 00:00
"Niemand kommt rein und setzt sich hin
Den Fuß auf'n Tisch, Hand unter's Kinn
Niemand isst hungrig mein Frühstücksmenü
Niemand kommt immer zu früh

Niemand, ich habe Geschenke für dich
Was wär ich geworden, gäb es dich nicht
Meine gesammelten Werke - bitte sehr
Alles gehört dir

Niemand, niemand kennt mich wie du
Unbedingt, ich geb alles zu
Keine Enttäuschung, kein einziges Mal
Aber dir ist eh alles egal

Niemand, siehst du's, ich wachse nicht mehr
Meine Hände sind Füße, Niemand, schau her
Bald bin ich nichts und das, was dann bleibt
Ist deine Wenigkeit

Niemand, was, was willst du?
Immer bist du hier
Niemand, was, was willst du?
Von mir?
Von mir?
Von mir?"
 
Der Song "Walzer für Niemand" befindet sich auf dem 2009 erschienen Debüt-Album der im Jahr 1983 geborenen Schweizer Musikerin Sophie Hunger "Monday's Ghost".
 
Der Text ist irritierend.
 
Nur ein Wortspiel? Walzer für Niemand? Also für Keinen? Oder doch für jemanden? Für wen?
 
Dieser "Niemand" zeigt durchaus Präsenz. Starke Präsenz:
 
Er fläzt sich hin und isst ihr Frühstück
Sie beschenkt ihn reich - er bekommt alle ihre Werke.
Sein Einfluss ist groß:"Was wär ich geworden, gäb es dich nicht..."
Sie fühlt sich durchschaut - "niemand kennt mich wie du"....und dann ist ihm "alles egal".
 
Sie engt sich ein, sie wächst nicht mehr, sie macht offenbar alles, um diesem "Niemand" zu gefallen.... eine sehr intensive Bindung, mittlerweile aber fatal geworden...
  
Denn: Von ihr ist nichts mehr da, nur noch er - seine Wenigkeit.
 
Und letztlich weiß sie nicht, was er von ihr will, der immer anwesende "Niemand", immer bist du hier. Was will er? Das ist nicht klar...  
   
Eine solche Beziehung kann nicht funktionieren. Gleichberechtigung? Wohl eher nicht. Achtung? Sie ja, vor "Niemand", und dieser "Niemand"? Achtung vor ihr? Wertschätzung? 
  
Also, ich sage mal, nein, hat er nicht.    
  
Denn wie er sich dahin fläzt und sich alles von ihr nimmt, sie gibt und gibt, und er?
Er nimmt sich, was er braucht. Sie hat eine Funktion. Was auch immer - es geht um seine Bedürfnisse...
  
Sie macht sich kleiner, hört auf zu wachsen, und ist bald nichts mehr, etwa nur noch ein Häuflein Elend? Wer weiß...Freiheit? Eigene Interessen haben, Austausch? Nein, nichts dergleichen. Ein vernichtendes Urteil jedenfalls.  Sie macht alles, damit es funktioniert, vermeidet fehler, vielleicht, weil er sonst seine "Liebe" entzieht, in Wut ausbricht?
   
Er hat sie "verschluckt", nutzt sie gnadenlos aus. Ohne Rücksicht auf Verluste. Eine fatale symbiotische Beziehung. Er ist sie und sie ist er...die Grenzen verschwimmen.
   
"Niemand" ist aber kein starker Charakter - er scheint furchtbar gesichtslos, zu sein, ist jetzt sie, lebt ihr Leben, das sie so weggegeben hat, damit das "funktioniert" alles. 
Meine ganz  persönliche, mit der Künstlerin nicht abgestimmte Lesart ist diese:  
   
"Niemand" leidet an einer Persönlichkeitsstörung.
Und sie ist co-abhängig.
Die Beziehung ist bereits am Ende. Zu oft rastet er aus, manipuliert, verletzt, und sie deckt sein Verhalten, bestärkt ihn - unbewusst - in seiner Krankheit. Sie ist süchtig nach ihm. Emotional oder sexuell abhängig?
Indes - der Bruch steht bevor. Wie oft schon hat er sie abgewertet, wie oft wieder idealisiert, um sie dann wieder bei der kleinsten Möglichkeit abzuwerten?
Es ist F 60.31, die emotional-instabile Persönlichkeit, Borderline-Typus nach der ICD-10-Klassifizierung der WHO.
Damit sieht es wie folgt aus:
 

F60.3 Emotional instabile Persönlichkeitsstörung nach ICD10

Eine Persönlichkeitsstörung mit deutlicher Tendenz, Impulse ohne Berücksichtigung von Konsequenzen auszuagieren, verbunden mit unvorhersehbarer und launenhafter Stimmung. Es besteht eine Neigung zu emotionalen Ausbrüchen und eine Unfähigkeit, impulshaftes Verhalten zu kontrollieren. Ferner besteht eine Tendenz zu streitsüchtigem Verhalten und zu Konflikten mit anderen, insbesondere wenn impulsive Handlungen durchkreuzt oder behindert werden.

Zwei Erscheinungsformen können unterschieden werden:

Ein impulsiver Typus, vorwiegend gekennzeichnet durch emotionale Instabilität und mangelnde Impulskontrolle; und ein Borderline- Typus, zusätzlich gekennzeichnet durch Störungen des Selbstbildes, der Ziele und der inneren Präferenzen, durch ein chronisches Gefühl von Leere, durch intensive, aber unbeständige Beziehungen und eine Neigung zu selbstdestruktivem Verhalten mit parasuizidalen Handlungen und Suizidversuchen.

F60.31 Borderline Typus

Einige Kennzeichen emotionaler Instabilität sind vorhanden, zusätzlich sind oft das eigene Selbstbild, Ziele und “innere Präferenzen” (einschließlich der sexuellen) unklar und gestört. Meist besteht ein chronisches Gefühl innerer Leere. Die Neigung zu intensiven, aber unbeständigen Beziehungen kann zu wiederholten emotionalen Krisen führen mit übermäßigen Anstrengungen, nicht verlassen zu werden, und mit Suiziddrohungen oder selbstschädigenden Handlungen (diese können auch ohne deutliche Auslöser vorkommen
Mindestens drei der oben unter F60.30 B. erwähnten Kriterien müssen vorliegen und zusätzlich mindestens zwei der folgenden Eigenschaften und Verhaltensweisen:
  • Störungen und Unsicherheit bezüglich Selbstbild, Zielen und “inneren Präferenzen” (einschließlich sexueller);
  • Neigung sich in intensive aber instabile Beziehungen einzulassen, oft mit der Folge von emotionalen Krisen;
  • übertriebene Bemühungen, das Verlassenwerden zu vermeiden;
  • wiederholt Drohungen oder Handlungen mit Selbstbeschädigung;
  • anhaltende Gefühle von Leere.
Quelle: ICD10 der WHO
 
Parallel dazu besteht ein Kategorisierungssystem aus den USA, "DSM IV".
Die Systeme werden bei der Diagnostizierung alternativ, teilweise parallel angewandt, weil dieses Störungsbild ausgesprochen schwer zu erfassen und zu diagnostizieren ist.
  
Nach den DSM IV-Kategorien  müssen fünf von neun Kategoien erfüllt sein. Die Kategorien insgesamt:
 
1. Verzweifeltes Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden. z.B. klammerndes Verhalten, Suizidandrohungen.

2. Muster instabiler, aber intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen Extremen der Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist . Eine Person wird nur als “gut” gesehen und entsprechend idealisiert. Dieselbe Person kann nach kurzer Zeit aus unterschiedlichen Gründen abgrundtief gehasst werden, alle vorher festgestellten guten Eigenschaften sind vergessen.

3. Identitätsstörung: ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung. Ein Borderliner kann sich nicht selbst definieren. Es gibt Borderliner, die sich als Mensch definieren können, aber eine sehr gestörte Identität in Bezug auf ihr eigenes Geschlecht aufweisen, indem sie z.B. ihren eigenen Körper verachten. Sie verfügen auch in der Regel über kein stabiles Selbstbild und neigen zu extremen Minderwertigkeitsgefühlen. Sie glauben nicht an ihre eigenen Stärken und Fähigkeiten und suchen deshalb immer wieder in ihrem Umfeld nach Bestätigung.

4. Impulsivität in mindestens zwei potentiell selbstschädigenden Bereichen (außer Selbstverletzungen oder Suiziddrohungen). Drogenmißbrauch, riskantes Fahrverhalten, Tablettenmißbrauch, häufig wechselnde Sexualpartner ohne Rücksicht auf Infektionsrisiken etc.
 
5. Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen oder -drohungen oder Selbstverletzungsverhalten. Neben Selbstmordversuchen sind Selbstverletzungen (SVV) bei Borderlinern sehr häufig anzutreffen. Viele fügen sich Schnittverletzungen hauptsächlich an den Armen zu.
 
6. Stark wechselhafte Stimmung. Mehrmalige grundlose Stimmungsschwankungen am Tag sind möglich, vom Hochgefühl bis hin zur Depression.
 
7. Chronische Gefühle der Leere. Viele Borderliner fühlen sich regelrecht wie Zombies. Sie haben keine spürbaren Empfindungen und fühlen sich selbst leblos.
 
8. Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, Wut zu kontrollieren. Dies beschreibt Zustände von extrem starken Wutausbrüchen und aggressivem Verhalten, das in keinem Verhältnis zu der momentanen Situation steht.
 
9. Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome. In belastenden Situationen können sich Borderliner verfolgt fühlen oder den Eindruck haben, daß sie jemand zerstören will. Auch können sie das Gefühl haben, sich von ihrem Körper zu entfernen, das Umfeld wird nur noch sehr fern und dumpf wahrgenommen. Diese Symptome verschwinden, wenn die Situation als nicht mehr bedrohlich oder belastend empfunden wird.
(Quelle: www.borderline-spiegel.de)

Das Störungsbild ist ausgesprochen vielseitig und schwierig zu diagnostizieren.
Die Ursache liegt oftmals in schweren traumatischen Erlebnissen in früher Kindheit, zB Misshandlung, sexueller Missbrauch. Es bestehen Parallelen zu den Folgen einer PTBS (posttraumatische Belastungstörung).

Bei allen Verletzungen der Angehörigen und Partner: Es ist eine Krankheit. Borderliner haben sich dies nicht ausgesucht.
Und: Der co-abhängige Partner hat oftmals selbst ein Trauma, einen unverarbeiteten Schmerz, an den der Borderliner erfolgreich anknüpfen kann.

Sie ist also co-abhängig, verschlungen in dem Hin und Her zwischen Idealisierung und Abwertung, gefangen in einer symbiotischen Beziehung, von der sie weiß, dass diese sie vernichtet, zerstört, aus der sie nicht wieder hinaus kann. sie ist, so wie sie sich aufgibt, beinahe genauso veranlagt wie "Niemand" der Borderliner. Erst klammert er, aus Angst, Verlassen zu werden. Dann stößt er sie weg, weil der fürchtet verschlungen zu werden, kann er die Nähe doch nicht aushalten, nach der er sich sehnt. Sein Wutausbrüche sind unberechenbar, furchtbar und verletzend.

Zu negativ? Vielleicht. Es muss so nicht sein, kann es aber.

Nun, bei Borderlinern git es solche und solche, je nachdem, welche Merkmale erfüllt sind. Es muss also nicht so sein, wie hier beschrieben. Gleichwohl ist weniger die Selbstverletzung typisch für Borderline, nicht jeder Borderliner verletzt sich selbst und nicht jeder, der sich selbst verletzt, ist Borderliner.

Ganz wesentlich ist oft das Nähe-Distanz-Problem, das Muster von wechselnden  instabile, aber intensiven Beziehungen, das mangelnde Selbstwertgefühl, die fehlende Impulskontrolle, das fehlende "emotionale" Gedächtnis.

M.Kupfer   
 
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13. Oktober 2011 4 13 /10 /Oktober /2011 09:50

Die ersten Beiträge zum Thema Borderline habe ich schon geschrieben, zuletzt "Die Geschichte von den Elfen".

 

Da Borderline zwei Seiten hat, also die der Partner/Angehörigen - die bei der Elfensache im Vordergrund steht - und die der Betroffenen, die selbst nicht immer wissen, warum sie "so" sind und auch, wenn sie wissen, wie es um sie steht, mit ihrer Störung umgehen müssen, poste ich einen Text, der von einem/einer Borderline-Betroffenen stammen könnte.

 

Charles C. Finn hat bereits 1966 dieses Gedicht geschrieben:

 

"Please Hear What I Am Not Saying"

 

Don't be fooled by me.

Don't be fooled by the face I wear
for I wear a mask, a thousand masks,
masks that I'm afraid to take off,
and none of them is me.
Pretending is an art that's second nature with me,
but don't be fooled,
for God's sake don't be fooled.
I give you the impression that I'm secure,
that all is sunny and unruffled with me, within as well
as without,
that confidence is my name and coolness my game,
that the water's calm and I'm in command
and that I need no one,
but don't believe me.
My surface may seem smooth but my surface is my mask,
ever-varying and ever-concealing.
Beneath lies no complacence.
Beneath lies confusion, and fear, and aloneness.
But I hide this. I don't want anybody to know it.
I panic at the thought of my weakness exposed.

 

That's why I frantically create a mask to hide behind,
a nonchalant sophisticated facade,
to help me pretend,
to shield me from the glance that knows.

But such a glance is precisely my salvation, my only hope,

and I know it.

 

That is, if it's followed by acceptance,
if it's followed by love.

 

It's the only thing that can liberate me from myself,
from my own self-built prison walls,
from the barriers I so painstakingly erect.

 

It's the only thing that will assure me
of what I can't assure myself,
that I'm really worth something.
But I don't tell you this. I don't dare to, I'm afraid to.
I'm afraid your glance will not be followed by acceptance,
will not be followed by love.
I'm afraid you'll think less of me,
that you'll laugh, and your laugh would kill me.
I'm afraid that deep-down I'm nothing
and that you will see this and reject me.

So I play my game, my desperate pretending game,

with a facade of assurance without
and a trembling child within.

 

So begins the glittering but empty parade of masks,
and my life becomes a front.

 

I idly chatter to you in the suave tones of surface talk.
I tell you everything that's really nothing,
and nothing of what's everything,
of what's crying within me.
So when I'm going through my routine
do not be fooled by what I'm saying.

 

Please listen carefully and try to hear what I'm not saying,
what I'd like to be able to say,
what for survival I need to say,
but what I can't say.

I don't like hiding.

I don't like playing superficial phony games.
I want to stop playing them.
I want to be genuine and spontaneous and me
but you've got to help me.
You've got to hold out your hand
even when that's the last thing I seem to want.

 

Only you can wipe away from my eyes
the blank stare of the breathing dead.

Only you can call me into aliveness.

Each time you're kind, and gentle, and encouraging,
each time you try to understand because you really care,
my heart begins to grow wings--
very small wings,
very feeble wings,
but wings!

With your power to touch me into feeling

you can breathe life into me.

 

I want you to know that.
I want you to know how important you are to me,
how you can be a creator--an honest-to-God creator--
of the person that is me
if you choose to.

 

You alone can break down the wall behind which I tremble,
you alone can remove my mask,
you alone can release me from my shadow-world of panic,
from my lonely prison,
if you choose to.
Please choose to.

Do not pass me by.

It will not be easy for you.
A long conviction of worthlessness builds strong walls.
The nearer you approach to me
the blinder I may strike back.

 

It's irrational, but despite what the books say about man
often I am irrational.

 

I fight against the very thing I cry out for.
But I am told that love is stronger than strong walls
and in this lies my hope.
Please try to beat down those walls
with firm hands but with gentle hands
for a child is very sensitive.

Who am I, you may wonder?

I am someone you know very well.
For I am every man you meet
and I am every woman you meet.
Charles C. Finn          September 1966

 

 

 

Hier die deutsche Übersetzung:

 



Bitte höre, was ich nicht sage! Laß Dich nicht von mir narren. Laß Dich nicht durch das Gesicht täuschen, das ich mache, denn ich trage Masken, Masken, die ich fürchte, abzulegen. Und keine davon bin ich. So tun als ob ist eine Kunst, die mir zur zweiten Natur wurde. Aber laß Dich dadurch nicht täuschen. Ich mache den Eindruck, als sei ich umgänglich, als sei alles heiter in mir, und so als brauchte ich niemanden. Aber glaub mir nicht! Mein Äußeres mag sicher erscheinen, aber es ist meine Maske. Darunter bin ich, wie ich wirklich bin: verwirrt, in Furcht und allein. Aber ich verberge das. Ich möchte nicht, daß es jemand merkt. Beim bloßen Gedanken an meine Schwächen bekomme ich Panik und fürchte mich davor, mich anderen überhaupt auszusetzen.

Gerade deshalb erfinde ich verzweifelt Masken, hinter denen ich mich verbergen kann: eine lässige Fassade, die mir hilft, etwas vorzutäuschen, die mich vor dem wissenden Blick sichert, der mich erkennen würde. Dabei wäre dieser Blick gerade meine Rettung. Und ich weiß es.

Wenn es jemand wäre, der mich annimmt und mich liebt... Das ist das einzige, das mir Sicherheit geben würde, die ich mir selbst nicht geben kann: daß ich wirklich etwas wert bin. Aber das sage ich Dir nicht. Ich wage es nicht. Ich habe Angst davor.

Ich habe Angst, daß Dein Blick nicht von Annahme und Liebe begleitet wird. Ich fürchte, Du wirst gering von mir denken und über mich lachen. Und Dein Lachen würde mich umbringen. Ich habe Angst, daß ich tief drinnen in mir nichts bin, nichts wert, und daß Du das siehst und mich abweisen wirst.

So spiele ich mein Spiel, mein verzweifeltes Spiel: eine sichere Fassade außen und ein zitterndes Kind innen. Ich rede daher im gängigen Ton oberflächlichen Geschwätzes. Ich erzähle Dir alles, was wirklich nichts ist, und nichts von alledem, was wirklich ist, was in mir schreit; deshalb laß Dich nicht täuschen von dem, was ich aus Gewohnheit rede.

Bitte höre sorgfältig hin und versuche zu hören, was ich nicht sage, was ich gerne sagen möchte, was ich aber nicht sagen kann. Ich verabscheue dieses Versteckspiel, das ich da aufführe. Es ist ein oberflächliches, unechtes Spiel. Ich möchte wirklich echt und spontan sein können, einfach ich selbst, aber Du mußt mir helfen. Du mußt Deine Hand ausstrecken, selbst wenn es gerade das letzte zu sein scheint, was ich mir wünsche. Nur Du kannst mich zum Leben rufen.

Jedesmal, wenn Du freundlich und gut bist und mir Mut machst, jedesmal, wenn Du zu verstehen suchst, weil Du Dich wirklich um mich sorgst, bekommt mein Herz Flügel, sehr kleine Flügel, sehr brüchige Schwingen, aber Flügel!

Dein Gespür und die Kraft Deines Verstehens, geben mir Leben. Ich möchte, daß Du das weißt. Ich möchte, daß Du weißt, wie wichtig Du für mich bist, wie sehr Du aus mir den Menschen machen kannst, der ich wirklich bin, wenn Du willst.

Bitte, ich wünschte Du wolltest es. Du allein kannst die Wand niederreißen, hinter der ich zittere, Du allein kannst mir die Maske abnehmen. Du allein kannst mich aus meiner Schattenwelt, aus Angst und Unsicherheit befreien, aus meiner Einsamkeit.

Übersieh mich nicht. Bitte übergeh mich nicht! Es wird nicht leicht für Dich sein. Die langandauernde Überzeugung, wertlos zu sein, schafft dicke Mauern. Je näher Du mir kommst, desto blinder schlage ich zurück. Ich wehre mich gegen das, wonach ich schreie. Aber man hat mir gesagt, daß Liebe stärker sei als jeder Schutzwall und darauf hoffe ich.

Wer ich bin, willst Du wissen? Ich bin jemand, den Du sehr gut kennst und der Dir oft begegnet.                                                        


M.Kupfer

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26. September 2011 1 26 /09 /September /2011 17:18

Wenn ich schon im Artikel zu "La Linea" das Thema Borderline - Persönlichkeits-Störung anspreche, hier ist eine fabel-hafte (sic!) Darstellung von Borderline-Beziehungen.

 

Ich habe diesen Beitrag in einem Borderline-Forum entdeckt. Borderline-Betroffene, die ihre Erkrankung kennen und um ihre Perspektiven wissen, sagten mir "Ja, genauso ist es - leider!" Und Angehörige bzw. (Ex)Partner von Borderlinern finden sich in dem Text ebenfalls wieder....

 

Also, hier ist er:

 

"Elfen", es gibt sie wirklich… Warnung an alle!!!

Eloquenz

Elfen sind über die Maßen eloquente Wesen.
Sie haben die Fähigkeit, ihre Gesprächspartner in
kürzester Zeit in den Bann zu ziehen. Dabei spielt das
Thema keine Rolle.
Sie übernehmen die Führung des Gesprächs, bestimmen die
Themen und dirigieren die Richtung. Man fühlt sich
angehört, verstanden. Schnell erlangen sie das
Vertrauen. Sie gehen auf den Partner ein und verleihen
dem Gespräch immer wieder neue Impulse.

Ignoranz

Unangenehmen Themen begegnen Elfen mit beachtlicher
Ignoranz. Kein einfaches Ausweichen. Das Problem wird
regelrecht „zerschwiegen“. Wie kleine Kinder, die die
Augen schließen und glauben, damit unsichtbar zu
werden.
Jeder Versuch, sachlich zu diskutieren, versickert
erfolglos.
Aber Vorsicht !!! Verbal in die Enge getrieben,
reagieren Elfen mit ihrem gnadenlosen Zorn. Mühsam
erworbenes Vertrauen kann so in Sekundenschnelle
verbraucht werden.

Selbstbewusstsein

Elfen betreten einen Raum nicht, sie erscheinen! Diesem
Auftritt kann sich niemand entziehen. Unübersehbar
schreiten sie zu ihrem Ziel. Diese Wirkung ist ihnen
enorm wichtig und sie wenden viel Energie auf, um sie
zu erzielen.
Ein regelrechtes Bollwerk gegen Unsicherheit und
Selbstzweifel wird da aufgebaut. Kleidung, Schminke,
Gestik, Mimik.
Nur der aufmerksame Betrachter sieht, wie die Hände
zittern oder hört, wie die Stimme schwankt. Der
erfolgreiche Auftritt wird sofort vergessen. Die
Herausforderung liegt im nächsten.

Götter und Götzenbilder

Elfen lassen sich sehr leicht beeindrucken. Vor allem
von Personen mit Eigenschaften, die sie selbst
vermeintlich nicht besitzen. Die Bewunderung ist
grenzenlos, sie schwärmen in den höchsten Tönen.
Bereitwillig bringen sie Opfergaben dar. Oft
unangemessen hoch und die eigenen Verhältnisse
übersteigend. Doch wehe, ein Zweifel an der
Allmächtigkeit taucht auf. Tiefer kann der Fall nicht
sein. Über Nacht liegt das Götzenbild zerschmettert am
Boden.

Ich kann es (nicht)!

Traut sich eine Elfe HEUTE noch euphorisch zu, Berge zu
versetzen, so kann sie schon MORGEN daran zweifeln,
dass sie in der Lage ist, den Garten umzugraben.
Vollkommen unabhängig von den tatsächlichen
Fähigkeiten, schon erzielten Erfolgen und längst unter
Beweis gestellter Leistungsfähigkeit wertet sie sich
erbarmungslos ab.

Menschenkenntnis

Elfen durchschauen Menschen mit geradezu
schlafwandlerischer Sicherheit. Keine Schwäche, keine
Stärke bleibt ihnen verborgen. Ihr Urteil fällen sie
schnell aber dennoch treffsicher. Sie erkennen sofort,
in welcher Stimmung sich ihr Gegenüber befindet und
stellen sich darauf ein. Unmöglich, ihnen etwas
vorzugaukeln. Die Meister des Schauspiels erkennen die
falschen Töne im Ansatz.

Ungnade

Wer die Gnade der Elfen verliert, sollte ein dickes
Fell besitzen und auf alles gefasst sein.
Wie der Akupunkteur den Median, treffen Elfen
zielsicher die Punkte, an denen der Schmerz am
stärksten ist.
Jeder Versuch, den Konflikt im Gespräch zu lösen,
ist zum Scheitern verurteilt.
Jede Argumentation wirkungslos.
Die Elfen haben in dieser Situation nur noch ein Ziel:
zu verletzen.

Panta Rhei

„Alles fließt“, Werden und Vergehen. Beharrendes Sein
ist nur Täuschung. Heraklit war ein großer Philosoph...
Ein Gespräch mit Elfen ist ergötzlich, unterhaltsam,
nie langweilig. Elfen vertreten ihre Standpunkte mit
Nachdruck. Gegenteilige Argumente finden nur schwer
Gehör. Allerdings kann es durchaus geschehen, dass sich
die Meinung über Nacht ändert. Fassungslos steht man
plötzlich ganz anderen Aussagen gegenüber. Die haben
dann genauso wenig Bestand wie die letzten.
Motto: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?“

Spontaneität

Elfen meinen, sie seien spontan. Sprunghaft, launisch
ist wohl treffender. Ganz erstaunlich, wie schnell so
ein Stimmungsumschwung vollzogen ist. Die Ursachen sind
oft banal. Versuche, die Stimmung aufzuheitern, können
schnell noch mehr Unheil heraufbeschwören.
Aber auch umgekehrt ist alles möglich.
Der richtige Satz im richtigen Moment verwandelt den
Griesgram in wenigen Minuten.
Nur, welcher Satz ist wann der richtige?

Elfenkinder

Elfen umsorgen ihre Kinder auf beeindruckende Weise.
Deren Wohlergehen dominiert das Elfenleben.
Geborgenheit und Nestwärme wird kein Elfenkind
vermissen.
Sie bekommen alles überreichlich, was die Elfe wohl
selbst vermisst hat.
Aber sie müssen auch stark sein, um nicht selbst zur
Elfe zu werden.
Welche Werte werden sie vermittelt bekommen; welche
sozialen Fähigkeiten entwickeln können?
Woran werden sie ihren Partner messen? Werden sie
ihrerseits die Nabelschnur durchtrennen können oder sie
als Fessel durch ihr Leben tragen?
Ihre Kinder sind für Elfen wie Partner. Das Alter
spielt da keine so große Rolle. Sie erleben jedes Glück
und jede Krise mit.
Man kann sich nur schwer vorstellen, wie ein Kind einen
Wutausbruch der Elfe erlebt und verarbeitet, mit dem
Chaos ihrer Gefühle, Stimmungen und Beziehungen fertig
wird, anfängt, darüber nachzudenken, woher die Narben
wirklich kommen, warum der einst vergötterte,
umklammerte Mensch nun plötzlich ein Teufel ist und
warum die Elfe nach dem guten Essen immer auf die
Toilette geht.
Das ist schon für einen Erwachsenen eine unheimliche
Erfahrung.

Tatsachen ???

Ja, die wirst du im Elfenland vergeblich suchen.
Da ist nichts von Bestand.

Die Realität entsteht in Abhängigkeit von der aktuellen Empfindung,
der momentanen Befindlichkeit.
Die Handlungen, die daraus erwachsen, sind unvorhersehbar.
Ereignisse, die stattfanden, hat es nie gegeben,
Ereignisse, die nie eintraten, werden zur Wirklichkeit.
Unmöglich, an etwas aus der Vergangenheit anzuknüpfen.
Unmöglich, begonnenes zu vollenden.


Weiß die Elfe, dass sie krank ist?
Ja, das weiß sie.
Aber nichts hasst sie mehr, als "daraufhin angesehen" zu werden.
Es gibt Zeiten, da kämpft sie dagegen.
Aber sie ist sich sicher, dass sie verlieren wird.
Tritt dieser Fall dann ein, nimmt sie es als die
Bestätigung dafür, dass alles beim alten ist.
Also geht die Show weiter.
Tag für Tag.
Täglich grüßt das Murmeltier.
Sie ist schlecht,
wie Säure frisst sie sich in Menschen.
Verdammt dazu, jeden Fehler zu wiederholen, unfähig, dem Teufelskreis
zu entfliehen.
Sie kennt den Mechanismus genau und kann doch nichts
dagegen tun.

Hass und Verachtung

Normalerweise entwickeln sich Gefühle wie Hass und
Verachtung aus konkreten Erlebnissen mit Menschen,
negativen Erfahrungen, Handlungen.
Quelle und Ursachen sind nachvollziehbar.

Nicht so bei Elfen.
Hast du dir den glitzernden Elfenstaub einmal aus den
Augen gewischt und hinter die mit viel Sorgfalt
errichtete Fassade geblickt,
dann ist es irgendwann vollkommen gleich, was du tust
oder sagst, es wird falsch sein.
Vollkommen grundlos,
für dich wie aus dem Nichts heraus und mit Übermacht
wird dich bald grenzenloser Hass und abgrundtiefe
Verachtung treffen.

Hass und Verachtung ermöglichen den Elfen, diese für
sie so unerträgliche Situation zu bewältigen, ihr Leben
endlich wieder in der gewohnten Weise fortzusetzen,
gänzlich unbeeindruckt von den Trümmern, die sie dabei
zurücklassen.
Im Gegenteil, jeder Ausbruch gibt ihnen ein Gefühl der
Stärke und Überlegenheit.
Das ist selten genug im Elfenleben.
Geradezu genüsslich weiden sie sich an den
Wirkungen der erzielten Treffer, werfen wie ein
fünfjähriges Kind den Kopf in den Nacken, schütteln die
Elfenmähne und entfernen sich triumphierend vom
Schlachtfeld.

So wankelmütig Elfen in ihren Entscheidungen und
Ansichten sonst auch immer sein mögen, in diesem Fall
bleiben sie konsequent.
Wenn es die Realität nicht hergibt, erfinden sie
einfach die absurdesten Geschichten, um Hass und
Verachtung zu nähren.

Ja, da stehst du nun und weißt nicht, wie dir
geschieht, fragst dich „Warum?“ und „Was hab ich ihr
denn getan?“ So kommst du aber nicht weiter.

“Warum?“ - dann kannst du auch fragen, warum es Elfen
gibt. Es gibt sie eben, du hast sie ja kennengelernt;
was treibst du dich auch im Elfenwald herum, hattest
genug Zeit, zu verschwinden. Aber du musstest ja auch
mit aller Gewalt den Glitzervorhang beiseite schieben.

“Was hab ich ihr denn getan?“ - gar nichts, du wolltest
nur ausgerechnet das, was sie dir so oft und
eindringlich versprochen und geschworen hat, was aber
von Elfen... niemals zu erwarten ist...

Draußen

Nun hat dich der Elfenwald endlich ausgekotzt.

Der Zauber ist VORBEI.
Die kleine Elfe ist mit neuen Besuchern beschäftigt.
So sind die Gesetze im Elfenwald.
DU bist nun draußen.

Mach dich an die Bestandsaufnahme.
Nimm die Fetzen deiner erodierten Seele und ordne, was
davon übrig ist:
Du wirst lange nicht, vielleicht nie wieder einem
Menschen wirklich vertrauen können.
Damit ersparst du dir, enttäuscht zu werden. Wenn das
kein Gewinn ist...
Du wirst nicht mehr lieben können, weil dich die kleine
Elfe für alle anderen Frauen verdorben hat.
Ach je, leih dir ein Buch über die Biochemie der Liebe
aus.
Lies, wie Neurotransmitter und Hormone in deinem
armseligen Hirn Jojo spielen.

Du wirst erkennen, dass es VIELE Elfen gibt.
Sie können sich nun nicht mehr vor dir verbergen.
Und sie spüren, dass du im Elfenwald warst.
Du musst sie nicht suchen,
SIE werden dich finden...

!!! Hast du eine Strategie für diese Begegnung?
Nein?
Dann lauf weg!!!
!!!LAUF!!!
SO SCHNELL DU KANNST!

Verfasser: Unbekannt

 

 

M. Kupfer

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24. September 2011 6 24 /09 /September /2011 22:55

DEN kennt mancher bestimmt noch - die Zeichentrickfigur Lui, auch bekannt als "La Linea".


Aus einer Linie entsteht Lui, der eben diese Linie zunächst fröhlich entlangläuft, bis eine Lücke in der Linie, ein Hindernis oder wer weiß was auftaucht.

 

Dann reagiert er ziemlich impulsiv - aber auch kindlich-liebenswert - mit Freude, Wut, Erheiterung, Enttäuschung, jedesmal sehr extrem. 20 Stimmungswechsel in grad 3-4 Minuten!

 

Werden seine Wünsche nicht sofort erfüllt, "rastet" er aus, der Zeichner oder wer auch immer sich in den Weg stellt wird dann gnadenlos abgewertet. Das wird vergessen, wenn der Zeichner etwas Gutes für ihn tut, zum Beispiel die Linie vervollständigen, ihm das gewünschte Fahrzeg malt oder einen Golfschläger - je nach Situation und Bedürfnis  von Lui eben. Der Stimmungswandel zeigt sich auch in der Veränderung des farblichen Hintergrunds - Hell: Gute Laune, Dunkel: O weia, es wird ernst....Rot oder Lila stehen für bevorstehende Wut,Hellblau oder Grün für unbändige Freude...zumindest meist passt diese Einteilung... Hier ein bis zwei Filmchen, bei Youtube gibt es die haufenweise, soviel ihr wollt!

 


 

 

 

 

 

 

 

So lustig und putzig das ist - ich kann mich wirklich darüber amüsieren und ziemlich kugeln, viele andere sicher auch...- es gibt auch einen ernsten Bezug, einen echten Insider sozusagen.

 

In diesem Jahr habe ich sehr spannende Begegnungen mit Borderline-Betroffenen gehabt, daraus sind recht lebendige und gute Kontakte entstanden, die ich nicht missen möchte. Diese Menschen wissen um ihre Erkrankung und zeigen sogar Humor für ihre "Eigenheiten", die sowohl für sie, als auch für die Angehörigen oftmals so furchtbar sind.

 

Gleichwohl - Linea finden sie ebenfalls klasse, er ist mehr oder weniger ihr" Maskottchen", um es mal salopp auszudrücken. Zu den Beziehungen von Lui "La Linea" kann man wenig sagen, gleichwohl aber zu seinen extremen Stimmungsschwankungen, seiner Impulsivität, seinen Spaltungsmechanismen "Idealisierung" (der Zeichner wird geliebt, wenn er Lui hat entstehen lassen) und "Abwertung" (der Zeichner wird gehasst, wenn er in der Linie eine Lücke lässt oder nicht gleich die Wünsche von Lui erfüllt) sowie dem fehlenden emotionalen Gedächtnis. Kritik kann er nicht haben, je nach Situation wechselt die Stimmung, ist die Situation überstanden, wird sie vergessen... Was er ist, weiß er nicht wirklich, große Ziele scheint er nicht zu haben, langfristige Pläne auch nicht, er entscheidet situativ und stark emotional... Also, so kann man das auch interpretieren, sehr anschaulich...

 

M.Kupfer

 

 

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  • Ich bin als Rechtsanwalt tätig, habe Familie und stehe mitten im Leben, wie man so sagt. das bringt manch Chaos mit sich... aber zum Glück auch Zeit für diese Themen: Gesellschaft, Politik, Independent- und Rock,Geschichte, Kultur, Sport, "grüne"
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