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20. Mai 2010 4 20 /05 /Mai /2010 22:40

Also, ich bin dafür: Die Transaktionssteuer, anbei in einem Video sehr anschaulich erläutert durch Heike Makatsch und Jan-Josef Liefers.

 

 

 

Ist ja klar, dass sich die Finanzwelt dagegen wehrt. Die Frage ist aber, warum der Faktor Arbeit versteuert wird, nicht aber Finanztransaktionen? Wo liegt denn bei Finanztransaktionen, bei Anlagen ein Wertschöpfungsfaktor, der besonders geschützt werden müsste? Eine Mini-Steuer, wie hier beschrieben, tut ja wohl nicht weh, bringt aber viel ein.

 

M.Kupfer

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13. Januar 2010 3 13 /01 /Januar /2010 21:24
Im Januar 1980 gründete sich die Partei "Die Grünen". Als Grüner jenseits der 40 Anlass genug, einen ganz persönlichen  Rückblick zu verfassen.

Im Jahr 1980 war ich vor allem 13 Jahre alt, meine Kindheit endete, die Jugend begann. Politk war bis dahin geprägt von Willy Brandt, Helmut Schmidt, Hans-Dietrich Genscher und Walter Scheel, dem singenden Bundespräsidenten, außerdem von Franz-Josef Strauß und Helmut Kohl. Kohl hatte bei der Bundestagswahl 1976 mit seiner CDU eigentlich die Mehrheit der Stimmen geholt, aber mit der FDP gelang  Schmidt die Fortsetzung der sozial-liberalen Koalition (damals hieß das noch nicht rot-gelb, sondern eben sozial-liberal). Kanzlerkandidat der Union 1980 war Franz-Josef Strauß, CSU, in meiner Erinnerung (ich habe ihn damals live erlebt) ein dicker, wortgewaltiger Bayer, der die Nation spaltete und meiner Meinung nach besser nicht Kanzler werden sollte.  Seit ich denken konnte, regierte die SPD im Bund  und in meinem Heimatland NRW. Unser Städtchen am Niederrhein war und ist nach wie vor tief katholisch und schwarz.

Dennoch: In unmittelbarer Nachbarschaft unseres Städtchens befand sich ein weiteres kleines schwarzes Städtchen namens Kalkar am Niederrhein, dort wurde seinerzeit der "Schnelle Brüter" errichtet - eine neue Form eines Atomreaktors, der die brave schwarze Bauernschaft in der Umgebung auf die Barrikaden trieb - und letztlich (aber das wagten nur wenige zu träumen) nie ans Netz ging. Heute ist der Brüter, bzw. was von diesem blieb,  das "Kernwasser-Wunderland", ein von einem Niederländer betriebener Vergnügungspark.

Ende der 70er war die Welt grau, auch wenn die Tapeten und Möbel in den Wohnungen sehr bunt daher kamen. Der RAF-Schock des "deutschen Herbstes" 1977 saß noch tief und war irgendwie nicht wirklich ausgestanden. Die Zahl der  Arbeitslosen hatte bereits 1975 die erste Million geknackt, der Nato-Doppelbeschluss, von dem damaligen Kanzler Helmut Schmidt  durchgesetzt, erregte die Friedensbewegten. Die Symbole der baldigen Grünen-Gründer waren die Friedenstaube auf blauem Grund und die rot-gelbe Atomsonne mit dem Slogan "Atomkraft - nein danke!"

Die Luft war schlecht, die Stadte zugebaut mit Beton und Stein, die Qualität der Gewässer ließ sehr zu wünschen übrig. Die Autos schluckten 1980 mehrheitlich locker über 15 Liter auf 100 km. Junge Leute begaben sich seit den 70er Jahren fluchtartig aufs Land, um dort in alten Bauerrnhäusern wie ihre Urgroßeltern einfach und möglichst gesund mit eigens gezogenem Gemüse und Obst zu leben (ein sehr schöner und humorvoller Eindruck der Landkommunen bietet der Film "Am Tag, als Bobby Ewing starb".)

Ich besuchte regelmäßig ein evangelisches Jugendheim im typischen 60er/70er - Flair. Das "EFFA" in Kleve lag hinter einer Betonkirche und war genau so betonmäßig wie diese - aber innen gab es "Öko-Kultur vom Feinsten": Batiktücher schmückten die Räume, man nutzte  Naturholztische bzw. Regale/Schränke und alte ausrangierte Polstermöbel. Die Jugendlichen, die dort "OT" machten (Offene Tür), oder Kindergruppen leiteten, waren fröhliche "Ökos" mit Nickelbrille, langen Haaren und Latzhosen und sie konnten Gitarre spielen. Man hörte oft die "Bots" mit "Sieben Tage lang".

Oder BAP aus Köln.

So, jetzt habe ich ja sehr schön klischeevoll die damalige Ökoszene beschrieben. Das war das äußere Drumherum, das meine damalige frühe Jugend geprägt hat. Zuhause war es dagegen nicht ökomäßig, sondern ganz "normal"...

Aber die Themen waren entscheidend. Im EFFA gab es eine "Dritte-Welt-Gruppe".
Hier konnte man nicht nur Kaffee, Tee, Wein und Honig und anderes aus Südamerika oder Afrika erwerben, die Dritte Welt-Gruppe ermöglichte mit ihren Informationen, Flyern und anderem einen anderen Blick auf unsere Konsumwelt. Die Globalisierung war also in gewissem Rahmen schon damals Thema.

Außerdem interessierte mich brennend alles, was mit "68" zu tun hatte.

Mitte der 80er nahm ich die Unterstützung des EFFA beim Verfassen meines  Kriegsdienstverweigerungsantrags in Anspruch. Besonders spannend fand ich die Verbindung zwischen Kirche und politischem "Diskurs", wie sie seinerzeit auch bei den evangelischen Kirchentagen zutage trat. Besonders aktuell war seinerzeit die Befreiungstheologie in Lateinamerika. Als Evangele muss(te) ich den ablehnenden Worten des Pontifex in Rom zur Befreiungstheologie keine Aufmerksamkeit schenken.

A propos Kirche und so: Als damals - nach einer konservativen, braven Phase - meine alternative Metamorphose begann, änderte sich auch meine Kirchentradition zu Weihnachten: Weg vom Familiengottesdienst, hin zur Mitternachtsmette, die erst gegen 23 Uhr startete. Diese Mitternachtsmetten hatten keinen Event-Charakter, sie waren aber einfach anders als die klassischen Gottesdienste, und das gefiel mir: Ruhiger, zum Nachdenken animierend, eine dunkle (aber keine düstere) Atmosphäre, Treffen Gleichgesinnter und Freunde beim anschließenden Agapemahl. Politik, Kultur und eine bestimmte Glaubenspraxis gehörten für mich damals zwingend zusammen. Das Spirituelle und Wundersame stand dabei nicht im Vordergrund, es war ach meiner Sicht eher säkulär, wenn man anhand der Bergpredigt und der Friedensbotschaften Jesu nach Lösungen für die Probleme der Welt suchte, insbesondere in Fragen der Friedenspolitik. Die Besuche der evangelischen Kirchentage 1987 in Frankfurt, 1989 in Berlin (West) und 1991 im Ruhrgebiet habe ich noch in sehr guter Erinnerung.

Das war meine persönliche grüne Weichenstellung in den 80er Jahren. Mittlerweile regierte die CDU mit Kanzler Kohl, die SPD war bis auf weiteres auf Bundesebene abgemeldet, die Grünen zogen mehr und mehr in die Kommunal- und Landesparlamente und regierten dort in der Regel mit der SPD. Joschka Fischer wurde 1985 der erste Umweltminister in Hessen in einer rot-grünen Koalition. Die Grünen saßen seit März 1983 mit im Bundestag. Augerechnet die Regierung Kohl sollte 1986 ein Umweltministerium einführen. Das Ressort Umwelt war bis dahin dem Innenministerium zugeordnet. Der damalige Innenminister Zimmermann, CSU, führte als zuständiger Fachminister 1984 den Katalysator ein, als Maßname gegen das Waldsterben in den 80er Jahren.

Grüne Themen gab es immer genug: In den 80er Jahren reichte dies von der Friedenspolitik über das Waldsterben bis schließlich zu Wackerdorf und dem Super-GAU von Tschernobyl 1986, desgleichen Fragen des Datenschutzes (man denke an die Volkszählung 1987) und  des Umgangs mit der deutschen Geschichte.

Die Bundestagswahl 1990 aber "überlebten" die Grünen nicht, da sie die Fünfprozenthürde verfehlten. Die Wiedervereinigung verlangte letztlich nach einem anderen Konzept, einem anderen Programm. In der alten DDR waren die Grünen nie beheimatet, wohl aber die Bürgerrechtsbewegungen wie Bündnis 90. 1993 kam es deshalb zu einem Zusammenschluss zwischen den Grünen und Bündnis 90.

In den 90er Jahren studierte ich Jura und traf dort auf H.C., einen aktiven Grünen, wir wurden Freunde, und letztlich habe ich meine weitere grüne Prägung ihm zu verdanken. 1992 trat ich der Grünen Verkehrs-AG bei (wir organisierten Veranstaltungen bzw. Demos mit und ohne Rad), 1993 gründeten wir mit vielen anderen die Grüne Hochschulgruppe an der Uni BI. Die Kämpfe in den Ausschüssen gegen RCDS und LSI, die neidvollen Blicke der Jusos und anderer linker Gruppen auf die grünen Wahlergebnisse damals bleiben unvergessen. Weiterhin prägend für die 90er Jahre und grüne Politik waren die rechtsextremen Progrome in Hoyerswerda und Rostock/Lichtenhagen sowie die Brandanschläge mit tödlichem Ausgang in Mölln und Solingen sowie an anderen Orten. Überhaupt wuchs nach 1990 zusammen, was zusammen gehörte - so auch die Rechtsextremen in Ost und West. Castoren rollten durch Deutschland, die Kohl-Regierung war in ihrer letzten Legislaturperiode von 1994 bis 1998 scheintot, es herrschte Reformstau.

Die 90er waren für die Grünen auf Bundes- und Landeseben deshalb eine erfolgreiche Zeit, eine Phase, die schließlich mit der Bundestagswahl 1998 einen Höhepunkt erreichte. Der innerparteiliche Kampf zwischen "Realos" und "Fundis" endete ausdrücklich zugunsten der "Realsos", sicher dank Joschka Fischer.

Wie das so ist mit Regierungswechseln sieht man jetzt bei der Merkel-Westerwelle-Regierung. Größer war das Chaos vor elf Jahren bei der Regierung Schröder-Fischer in den ersten Monaten auch nicht. Eines ist dabei entscheidend, wie schon Franz Walter vor einiger Zeit reüssierte:  Mit dem ersehnten Regierungswechsel beginnt kein neues Kapitel, vielmehr endet gleichzeitig eine politische Entwicklung. Das Wahlergebnis 1998 war also in Wirklichkeit Ende des rot-grünen Projekts, das Wahlergebnis 2009 ist deshalb - analog - Ende des schwarz-gelben Projekts und Beginn einer gegenläufigen Entwicklung.

Leider war auch "meine Regierung" mit den Ministern Fischer, Trittin und Künast davor nicht gefeit. Einen Tiefpunkt stellte indes der Kosovo-Beschluss 1999 in Bielefeld dar - ein Schlag ins Gesicht aller "alten" Friedensbewegten.
Ein Höhepunkt ist allerdings der Atomausstieg aus dem Jahr 2001 - dessen Schicksal jetzt durch Merkel-Westerwelle besiegelt zu sein scheint. Etwas belächeln muss ich  die Gender-Mainstream-Bemühungen, die zu einer kompromisslosen Gleichstellung von Mann und Frau führen sollen - unter Missachtung der naturgegebenen Unterschiede. Im Extremfall kann dies dazu führen, alles Männliche zu verdrängen, wie mancher Befürworter einräumt (Ziel ist nicht "der andere Junge", sondern gar kein Junge.... brrrrr, bloß nicht, wir brauchen starke Jungs!).

Seit 2004 mische ich nach einer längeren Pause wieder mit, in unserem OV, aber mehr im Hintergrund. Mir sind politische Themen wichtiger als Parteiarbeit als solche.

Die Grünen haben vielleicht keine umwerfenden Gesetze entwickelt, sie haben aber in den letzten 30 Jahren die Gesellschaft entscheidend verändert: Selbst ein Großteil der CDU-Anhänger betrachtet Klimaschutz als wesentliche Aufgabe der nächsten Jahre, ebenfalls ist die Gleichberechtigung, das Ende der Hausfrauenehe Realität - auch, wenn noch einiges zu tun ist. Die CDU ist gerade dabei, nach neuen Wählern zu fischen, so etwa ehemalige Grüne oder SPD'ler zu gewinnen.

 Bundeswehreinsätze im Ausland mit Kampfhandlungen sind seit Kosovo normal - ausgerechnet SPD und B90/Grüne haben dies seinerzeit ermöglicht. Sind deshalb nun die Wurzeln der Friedensbwegung gekappt? Die Grünen müssen nach Alternativen zu Militäreinsätzen suchen. Integration bleibt überdies ein wichtiges Betätigungsfeld.

Entscheidend neu ist ein neues Wirtschaftsverständnis: Ökonomie und Ökologie schließen sich nicht zwingend aus. Nachhaltigkeit ist zum Stichwort der Nullerjahre geworden.

Grund zum Ausruhen gibt es nicht, die Grünen sind "im besten Alter". Die SPD ist die uralte Tante, die CDU geht mit ihren 60 Jahren auf die Rente zu, die FDP auch. Und die Linke ist noch in der "Pubertät".

Weitere Artikel findet ihr hier:
Franz Walter
Interview Ströbele und Kindler

M.Kupfer
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7. Januar 2010 4 07 /01 /Januar /2010 10:07
Diese durchaus treffende Karikatur zu 100 Tagen Schwarzgelb erschien heute in taz.online, die möchte ich euch nicht vorenthalten...

Jetzt wissen wir endlich, was Angela Merkel mit "Politik aus einem Guss" meinte...

kari.gif

LG M.Kupfer
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15. November 2009 7 15 /11 /November /2009 19:47
In einem zugegeben schon älteren (aber durchaus noch in Ordnung wirkenden) Sakko fand ich neulich dieses Exponat:

Es handelt sich um ein Pappkärtchen, das im Bundestags-
wahlkampf der SPD im Jahr 1998 zum Einsatz kam.

Wir erinnern uns: Am 27.09.1998 wurde Helmut Kohl nach 16 Jahren Regierungszeit abgewählt, neuer Kanzler wurde Gerhard Schröder, er regierte bis September 2005 mit Bündnis 90/Grünen. Im Mai 2005 kündigte er nach der verlorenen Landtagswahl in NRW Neuwahlen im Herbst an.

Auf der Rückseite dieser Karte - die übrigens vom damaligen Wahlkampfmanager Franz Müntefering in seiner "Kampa" entwickelt wurde - fand sich ein 10-Punkte-Programm der SPD:

War das schon die Blaupause für die 2003 verkündete Agenda 2010? Man kann darüber denken, wie man möchte, zumindest war dieses Papier visionär, wenn auch die Genossen dieses Papier kurz nach der Wahl wegen der katastrophalen Außendarstellung gerade im ersten Regierungsjahr 1999 am liebsten wieder vergessen wollten...

Bleibt zu hoffen, dass die nun auf schlappe 20% abgesunkene Volkspartei wieder zu jener alten Stärke wie 1998 zurück findet, damit die Wähler auch tatsächlich eine "Wahl" haben...auch ohne die Linke in einem Dreierbündnis. Mit einem starken und überzeugenden Programm und fähigen Leuten. War der SPD-Parteitag dieses Wochenende in Dresden ein möglicher Auftakt?

M.Kupfer

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16. Oktober 2009 5 16 /10 /Oktober /2009 16:55
Wie zu befürchten, wird der Koaltionsvertrag von CDU/CSU und FDP die Verlängerung der Laufzeit von AKW regeln, allerdings recht unklar und "wischi-waschi", man möchte sich offenbar nicht festlegen. Das könnte die Kraftwerksbetreiber erfreuen - ein Ende ist nicht absehbar - und die Gegner - vielleicht dauert es doch nicht so lange und die Sicherheitsauflagen sind vielleicht so streng, dass es sich nicht mehr lohnt. Im Ergebnis aber wirft dieser Punkt mehr Probleme auf, die Kernkraft als Brückentechnologie könnte zum Dauerbrenner werden.

Zu den Gründen gegen Kernkraft hatte ich in meinem Blog ja schon mehrfach berichtet, zuletzt hier.

In der TAZ-online ist heute ein Artikel zur "Mär von der Renaissance der Atomkraft" erschienen. Gerne wird ja behauptet, Atomkraft erlebe weltweit ein Comeback, nur Deutschland sei so verbohrt, "sichere AKW" einfach abzuschalten.

Die Thesen dieses Artikels sind:

- Die Zahl der Reaktoren ist weltweit seit 1989 lediglich von 423 auf 435 gestiegen. 2008 ging weltweit zum ersten Mal seit 1956 kein einziges neues Atomkraftwerk ans Netz. Zudem werden neun Meiler weniger betrieben als noch 2002, als der historische Höchststand von 444 AKWs erreicht wurde.;

-  Ihr Anteil an der Stromversorgung ist auf 14 Prozent zurückgegangen. Die Reaktoren werden in 31 der 192 UNO-Mitgliedsländer betrieben. Zwei Drittel der weltweiten Atomstromproduktion geschieht in nur sechs Ländern, in den Atomwaffenstaaten USA, Frankreich und Russland sowie in Japan, Südkorea und Deutschland.

- Der Welt-Statusreport Atomindustrie von 2009 zeigt, dass bei einer angenommenen Betriebszeit von vierzig Jahren bis zum Jahr 2015 insgesamt 95 Reaktoren und bis zum Jahr 2025 weitere 192 AKWs vom Netz gehen werden.

- Wenn alle derzeit im Bau befindlichen Anlagen den Betrieb aufnehmen, dann müssten bis 2015 noch 45 und bis 2025 insgesamt zusätzlich etwa 240 Reaktorblöcke mit einer Gesamtkapazität von über 200 000 Megawatt geplant, gebaut und in Betrieb genommen werden. Da die »Leadtime« – die Zeit zwischen Bauplanung und kommerzieller Inbetriebnahme – für ein AKW mehr als zehn Jahre beträgt, kann die heute vorhandene Kraftwerksleistung kaum aufrechterhalten werden.

- In Westeuropa sind zwei AKWs im Bau, eines in Finnland und eines in Frankreich. Baubeginn des ersten Europäischen Druckwasserreaktors (EPR) mit einer Leistung von 1 600 Megawatt war 2005 im finnischen Olkiluoto. Seitdem überschatten Kostenexplosionen und Zeitverzögerungen das Projekt. Mit der Inbetriebnahme ist frühestens 2012 zu rechnen. In Frankreich wird ein EPR in Flamanville gebaut. Baubeginn war 2007. Dieser Block sollte in 54 Monaten fertig sein. Aber auch hier ist eine Reihe von Problemen aufgetaucht. Die Kosten sind bereits um 20 Prozent gestiegen.

- Ein weltweiter Bauboom ist derzeit schon aufgrund mangelnder Fertigungskapazitäten und schwindender Fachkräfte ausgeschlossen. Nur ein einziges Unternehmen der Welt, die Japan Steel Works, ist in der Lage, die Großkomponenten für Reaktordruckbehälter von der Größe des EPR zu schmieden. Auch die Dampferzeuger der EPR-Bauprojekte kommen aus Japan. An dieser Situation wird sich kurz- und mittelfristig nicht viel ändern.

- Neue Atomanlagen müssten außerdem von neuem Personal betrieben werden. Industrie und Betreiber schaffen es kaum, auch nur die Altersabgänge zu ersetzen. Es fehlt eine ganze Generation von Ingenieuren, Atomphysikern und Strahlenschutzexperten.

- RWE hat angeboten, bei Laufzeitverlängerungen mehr in erneuerbare Energien zu investieren. Damit würde aber die Vorherrschaft der großen Kraftwerksblöcke verlängert und der Ausbau von dezentralen, umweltverträglicheren kleinen Kraftwerkseinheiten, die sich wesentlich besser mit erneuerbaren Energien kombinieren lassen, behindert.

- Das Gerede von der drohenden »Energielücke« wirkt vor diesem Hintergrund fast wie eine Kampagne für verlängerte Laufzeiten von Atomkraftwerken und kostenlose CO2-Zertifikate für Kohlekraftwerke. Aber nur ein schneller Ausstieg aus der Atomenergie kann den Innovationsdruck auf die Energiewirtschaft aufrechterhalten. 

- Die langen Bauzeiten verursachen enorme Kosten , die kaum eine Bank finanziert. Es sei denn, der Staat steht für das Investitionsrisiko gerade.


SPON hat sich überdies in einem Artikel mit den verspielten Wachstumschancen bei Verlängerung der Laufzeiten von AKW geäußert.

Die Idee des Autors:

"Bewahrung der Schöpfung bei maximalen Profit - für die neue Regierung könnte der Umwelt- und Klimaschutz so identitätsstiftend werden wie einst für Rot-Grün. Sie müsste nur über ihren eigenen Schatten springen. Umwelttechnologien haben das Potential, in den kommenden Jahren zum Fundament der deutschen Wirtschaft zu werden. Für sie gibt es einen geradezu explosiv wachsenden Weltmarkt."

Aber:

"Die neue Koalition arbeitet an dieser einmaligen Chance bisher sträflich vorbei. In der Union gibt eine Fraktion der Ewiggestrigen den Ton an, der noch immer alles Grüne suspekt ist, und die FDP fremdelt nachhaltig mit dem Zukunftsthema."

Zum SPON-Artikel geht es hier.

M.Kupfer
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13. Oktober 2009 2 13 /10 /Oktober /2009 13:03

In den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU und FDP zeichnet sich derzeit ab, dass es bei dem von Rot-Grün im Jahr 2000 geschaffenen Atomausstieg nicht bleiben wird, man hört, die Restlaufzeiten würden auf 32 Jahre verlängert. Gleichzeitig soll die Solar-Subventionierung gekürzt werden. 

Dass Atomenergie in erster Linie eine Risikotechnologie ist, die auf lange Sicht auslaufen wird ("Brückentechnologie"), ist sogar bei der neuen Regierung zum Teil zumindest angekommen, wird aber noch nicht hinreichend beachtet, wie man jetzt sieht. Es ist sogar zu befürchten, dass die Betreiber der Kraftwerke wie bislang auch pokern und auf noch günstigere Konditionen (z.B. ewige Laufzeiten) setzen und CDU und FDP durch eine geschickt formulierte Klausel gesetzlich ermöglichen. 

Gründe gegen Atomenergie gibt es dabei genügend, hier geht es zu einer Sammlung von 100 guten Gründen gegen Atomenergie.

Es geht um Nachteile beim Uranabbau (begrenzte Vorräte, Importe, Krebsverursachung), Risken der Atomenergie (Emissionen, Krebsrisiko, kein AKW in Deutschland erhielte heute noch eine Genehmigung, Risikoanfälligkeit alter Anlagen, deutsche AKW sind sogar im internationalen vergleich unsicher) sowie die ungeklärte Frage der Entsorgung (Zwischenlager haben Sicherheitsstandards von Hühnerställen, Castoren strahlen, Castorbehälter sollen gerade einmal 40 Jahre halten, Asse säuft seit 20 Jahren ab, Wasser auch in Gorleben, Endlagerung ist ausgeschlossen) und die Folgen eines atomaren Unfalls in Deutschland (GAU mit schlimmeren Folgen als Tschernobyl, keine ausreichende Evakuierung möglich, wirtschaftlicher Zusammenbruch). Schließlich dient Atomkraft auch nicht dem Klimaschutz, wie gerne behauptet wird.

Und? Gibt es außer "Billigstrom für alle" irgend ein Argument dafür, das das Risko wert ist, was mit Atomenergie eingegangen wird? Rhetorische Frage...

M.Kupfer





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11. Oktober 2009 7 11 /10 /Oktober /2009 17:10
Soeben hörte und las ich, dass der Vorsitzende der Grünen im Saarland nach der Landtagswahl die Bildung einer sog. Jamaika-Koaltion - CDU, FDP, Grüne - anregt. Schwarz-Grün in Hamburg funktioniert offenbar, aber Jamaika? Mit FDP und Grünen, zwei Parteien, deren jeweiliges Klientel sich spinnefeind gegenüber steht wie einst in den 80ern die Popper und Ökos auf dem Schulhof?

Nach den Äußerngen von Hubert Ulrich ist dies dem Lafontaine-Rückzug ins Saarland geschuldet, darüber waren die Grünen ja gar nicht begeistert.

Der Vorschlag fand auf dem Parteitag eine breite Mehrheit.

Muss ehrlich sagen, ich weiß nicht, wie ich dazu stehe. Die Ablehnung gegenüber Lafontaine kann ich dagegen nachvollziehen.

Hier geht es zum Artikel in SPON.

M.Kupfer
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14. September 2009 1 14 /09 /September /2009 09:21
Anbei stelle ich den Gewinner-Kurzfilm des Germanwatch-Drehbuchwettbewerbs zum Thema
Klimagerechtigkeit in meinen Blog.

In dem vierminütigen Film von Peter Wedel geht es um den CO2-intensiven Lebensstil enes Großstädters - und um die Frage, wer die "Rechnung" bezahlt...




M.Kupfer
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9. September 2009 3 09 /09 /September /2009 21:34
Piraten prägen die Medienlandschaft im Jahr 2009 - im negativen Sinne im Golf und sonstwo auf den Meeren, im äußerst positiven Sinne aber in der Parteienlandschaft.

Belächeln lohnt sich nicht, die Partei verfolgt in meinen Augen sehr wichtige Zukunftsziele und nimmt die Ideen und Vorstellungen der jungen Dotcom-Generation auf.

Als Grüner - dem diese Themen der Piratenpartei äußerst wichtig sind - stelle ich mal etwas von den Piraten vor. Ich sehe sie als neue Bürgerrechtler zwischen den Grünen und der FDP:


Um mal die Dramatik der Schäuble-Politik zu veranschaulichen, gibt es diesen Film:



LG M.Kupfer

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7. September 2009 1 07 /09 /September /2009 15:04
Man kennt ihn mittlerweile, den Energieriesen aus der RWE-Werbung. Donnerwetter - RWE ganz grün?

Von wegen RWE, hier ist die bislang unbekannte Version des Werbefilms mit Untertiteln...



Hier die drastische Version des Films:



LG M.Kupfer
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  • Ich bin als Rechtsanwalt tätig, habe Familie und stehe mitten im Leben, wie man so sagt. das bringt manch Chaos mit sich... aber zum Glück auch Zeit für diese Themen: Gesellschaft, Politik, Independent- und Rock,Geschichte, Kultur, Sport, "grüne"
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