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2. Juli 2009 4 02 /07 /Juli /2009 14:35
Angesichts des Haushaltlochs dürfte Finanzpolitik in den nächsten 5 Jahren eine gewaltige Herausforderung darstellen, ganz gleich, welche Konstellation regieren wird.

Vor den Wahlen darf das böse Wort "Steuererhöhungen" aber nicht fallen, Geschenke sind zu verteilen, Belastungen zu unterbinden. CDU und FDP lehnen sich derzeit weit aus dem Fenster, MP Oettinger wird gescholten, wenn er von einer höheren Mehrwertsteuer spricht,
die Kanzlerin verspricht, dass es keine Mehrwertsteuererhöhung gibt.

Keine Steuererhöhungen sind aber illusorisch. Huhu, FDP, aufwachen!

Wenn es denn höhere Steuern geben muss, so sollten diese wenigstens sinnvoll erhoben werden.

In der TAZ schreibt Bernward Janzing heute etwas zur Umweltbesteuerung und begründet dies m.E. sehr schlüssig:

- Ursprünglich besteuerte man Arbeitskraft und Kapital, da diese Faktoren knapp waren, nicht dagegen Natur/Boden;
- Diese Prinzpien haben sich seit mindestens einem halben Jahrhundert umgekehrt: "Heute ist die Natur die limitierende Ressource unseres Wirtschaftens: Landfläche, Wasser, Luft, Rohstoffe - alles ist knapp. Arbeitskraft und Kapital hingegen sind ausreichend vorhanden."
- Vor dem Hintergrund müsste ein Umdenken statfinden: Statt Arbeitskraft zu besteuern, müsste der Umweltverbrauch besteuert werden. Aus dem Kommentar:

"Der Staat besteuert noch heute vor allem die Arbeit, als wolle er sie eindämmen. Und er belässt den Umweltverbrauch billig, als habe er noch eine zweite Erde in der Hinterhand. Ein mageres Zehntel der gesamten Steuereinnahmen stammt aktuell aus Umweltsteuern."

 - Einerseits steigen die Arbeitslosenzahlen, andererseits auch die Umweltschäden, weshalb es derzeit angebracht wäre, Arbeit zu verbilligen und andererseits Umweltverbrauch zu verteuern;

- Der Rückschluss des Kommentators erscheint vor dem Hintergrund nur logisch:

 
"Wenn die kommende Regierung klug ist, holt sie sich das Geld über Umweltsteuern herein: über eine CO2-Steuer, eine Steuer auf atomare Brennelemente und eine auf Flächenverbrauch. Wenn sie unklug ist, erhöht sie andere Steuern."

M.Kupfer
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15. Februar 2009 7 15 /02 /Februar /2009 16:25
Da macht in den letzten Wochen die Meldung Furore, dass Schweden den vor ca. 30 Jahren beschlossenen Atomausstieg rückgängig zu machen gedenkt.

In Deutschland, wie sollte es anders sein, kommt leichte Unruhe auf. Atomkraftbefürworter aus Politik und Wirtschaft sehen sich bestätigt, die mit Bedacht vorgetragene Kritik aus der Anti-AKW-Bewegung findet leider kein Gehör, bislang jedenfalls nicht.

Es scheint deshalb absehbar: Gibt es im Herbst 2009 nach der Bundestagswahl einen Wechsel zu einer schwarz-gelben Regierung, wird der Atomausstieg gekippt.

Was war noch mal mit Asse??

Wie dem auch sei: Die Entscheidung der - bürgerlichen (!) - Regierung in Schweden sagt erst einmal gar nichts aus zur Zukunft der Atomenergie in Europa und anderswo. Derutschland, so heißt es, stünde doch jetzt ziemlich alleine da, wenn nun auch Schweden den alten Beschluss zu Atomausstieg kippt. Kann man hierzulande denn nun an dem im Jahr 2001 von der damaligen Regierung Schröder gefassten Atomausstieg festhalten?

Man kann, nein, man muss sogar. Auf die Argumente gegen Atomenergie hatte ich schon hingewiesen... Atomenergie dient jedenfalls NICHT dem Klimaschutz!

In Schweden wird letztlich nicht die regierung über die Rückgängigmachung des Atomausstiegs entscheiden, sondern das Parlament.

Bei Neubauten entscheiden letztlich die Stromkonzerne.
Letztlich ist damit noch alles "offen". Denn durch den ehrgeizigen Ausbau der regenerativen Energien werden die alten Reaktoren vom Markt gedrängt.
Für teure Neuanlagen - die womöglich erst in zehn Jahren in Betrieb gehen - besteht kein Bedarf.

Deutschland steht mit dem Atomausstieg längst nicht alleine in Europa:
Österreich, Dänemark, Irland, Norwegen und Portugal verzichten gänzlich auf AKW. Ob Italien und Polen bei ihrer Ankündigung bleiben, neue AKW bauen zu wollen, bleibt völlig offen.

In der Presse wird diese Frage nun - nach einer Welle befürwortender Artikel - relativierend gesehen:

- Kommentar in der ZEIT; danach bietet Atomenegie weit weniger CO2-Einsparpotential als bislang angenommen; die aktuellen AKW-Baustellen in Frankreich und Finnland sind mit Problemen behaftet, Stri'om aus Kernkraft wird hochgradig subventioniert und wird so künstlich verbilligt...
- Im Mannheimer Morgen (Morgenweb)  wird der stand der Diskussion zusammengefasst;
-  Der Kölner Stadtanzeiger relativiert die Beschlüsse in Schweden, da etwa staatliche Subventionen für den Reaktor-Neubau nicht fließen werden;

Man wird gespannt sein, insbesondere auf den Wahlkampf, bei dem die Frage Pro/Anti-Atomenergie zu einem Lagerwahlkampf führen wird.

Entschieden ist noch nichts, jedenfalls nichts im Hinblick auf die Renaissance der Atomenergie....

M.Kupfer
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21. Januar 2009 3 21 /01 /Januar /2009 11:55
Stellvertretend für das Werk des 2005 verstorbenen Hanns Dieter Hüsch - und in Gedenken an das am 27.01.1945 befreite KZ Auschwitz - stelle ich hier ein Hüsch-Werk mit dem Namen "Das Phänomen" ein.

Wehret den Anfängen!

LG M. Kupfer
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16. November 2008 7 16 /11 /November /2008 21:37
Im Nachgang zu meinem letzten Beitrag zum "Bundestrojaner" bzw. dem BKA-Gesetz:

Der Bundestag hat es verabschiedet, jetzt aber ist der Bundesrat dran. Da könnte das Gesetz scheitern, wenn man der Meldung auf SPON vom 16.11.2008 glauben darf....

Aber: man soll sich ja nicht zu früh freuen. Außerdem muss das BVerfHG noch eine Entscheidung treffen

Hier ein Ausschnitt der Tagesthemen vom 11.10.2007:


Zum Gesetz in NRW hat das BVerfG bereits im Februar 2008 eine wegweisende Entscheidung getroffen und im Hinblick auf den schwerwiegenden Eingriff in die Privatsphäre hohe Hürden aufgestellt.


Das Ganze soll wohl vor den Vermittlungsausschuss.

M.Kupfer

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14. November 2008 5 14 /11 /November /2008 22:38
Ein gern gehörtes Argument bei Atomlobbyisten: Atomenergie sei gut für den Klimaschutz, da derartige den Treibhauseffekt herbeiführende CO2-Immisionen - wie bei der Kohle - nicht entstünden.

Atomkraft soll dem gegenüber als das kleinere, akzeptablere Übel erscheinen.
Also: Atomkraft=Klimaschutz?

Meine klare Antwort: Nein!

Mich alten Kernkraftgegner führt man nicht so leicht hinters Licht, und auch nicht die mehreren Tausend beim Protest gegen den Castortransport am 08./09.11. 2008 in Gorleben und Umgebung.

Und warum nicht?

Die Gegenargumente:

1. Dem Klimawandel durch den Ausbau von Atomkraft begegnen zu wollen, hieße, ein Risiko durch ein anderes, inakzeptables Risiko zu ersetzen.
- Die Endlagerung/Entsorgung des radioaktiven Mülls ist völlig ungeklärt, in den gut 50 Jahren "friedlicher" Nutzung von Kernenergie ist weltweit nicht ein schlüssiges Entsorgungskonzept entwickelt worden.
- Eine radioaktive Verseuchung durch einen Atomunfall kann nicht ausgeschlossen werden, s. Harrisburg, Tschernobyl, Windscale und die "kleineren" Vorkommnisse 2006 in Forsmark/Schweden und 2007 in Brunsbüttel und Krümmel. Die Gefahr einer Reaktorkatastrophe kann nicht ausgeschlossen werden - auch nicht bei den vermeintlich "sicheren" Standorten.
- Jede weitere neu erbaute Anlage erhöht die Gefahr eines Super-GAU, je länger Anlagen am Netz sind, desto mehr erhöht sich das Risiko eines Super-GAU's;
- Um Kosten zu sparen und Gewinne zu erhöhen, lassen die Betreiber die älteren - längst abgeschriebenen - Anlagen länger laufen und sparen gleichzeitig an Wartungs- und Reparaturarbeiten, Mängel werden so nicht oder zu spät erkannt. Das Risko steigt also mit jedem Jahr Laufzeit.
- Mit dem strahlenden Abfall kann Schindluder betrieben werden, etwa durch den bau "schmutziger" Bomben. Wer sagt uns denn, dass z.B. in hundert Jahren noch eine demokratische Regierung das sagen hat?


2. Es gibt risikoarme Wege, das Klima zu schützen.

- Ausbau erneuerbare Energien: Strom aus erneuerbaren Energien kann bei konsequentem ausbau bis zum jahr 2020 (noch 12 Jahre) 25% des Energiebedarfs in Deutschland decken - und 110 Mio Tonnen CO2 einsparen.
- effizientere Kraftwerke;
- dezentrale Stromversorgung;
- Energiesparen...

Übrigens - allein der Stand-by-Betrieb sämtlicher Elektrogeräte der deutschen Haushalte benötigt den Strom von zwei (!) AKW.

- Wärmegedämmte Gebäude, energiesparende Elektrogeräte, Sprit sparende Autos können ebenfalls  erheblich zum Energiesparen beitragen, desgleichen eine Verkehrspolitik, die darauf zielt, PKW-, LKW und Flugverkehr zu vermeiden.

Energiebedarf schwankt, AKW sind zu träge, um sich auf wechselnden Energiebedarf einzustellen.

Atomkraft legt die eingeschlagenen Energiepfade auf Jahrzehnte fest, weil sie risige Kapitalmengen auf lange Zeit bindet, dadurch wird der Ausbau anderer alternativer Energieformen verhindert.


3. Energiekonzerne reden von Klimaschutz, wenn es um den Betrieb von AKW geht, ansonsten kümmern sie sich nicht um Klimaschutz. Das Argument, mit AKW ausschließlich das Klima schützen zu wollen, ist somit verlogen.
Die "Großen" Energieversorger, also RWE, Vattenfall, Eon und EnBW haben  Laufzeitverlängerungen für diejenigen AKW beantragt, die genäß dem Atomausstieg aus dem Jahr 2000 als erste stillgelegt werden müssen Biblis A, Brunsbüttel, Neckarwestheim I). Dies wird damit begründet, dass dadurch CO2 eingespart würde, Atomenergie sei eine Brückentechnologie, die solange laufen müsse, bis die erneuerbaren Energien ausgereift seien. Gleichzeitig aber zeigt sich, dass die Großen nicht etwa in die erneuerbare Energien oder techniken mit Kraft-Wärmekopplung investieren - nein, wird in andere Kraftwerke investiert, so sind dies ausschließlich ineffiziente klimaschädliche Kohlekraftwerke....


4. Auch Atomstrom ist nicht CO2-frei zu haben
Die tatsächliche Erzeugung von Atomstrom setzt tatsächlich kaum CO2 frei - anders sieht es aber beim Uranabbau und der Erzeugung der Brennstäbe aus - da kein AKW ohne Brennstäbe läuft, muss dieser Energieverbrauch mit eingerechnet werden. Insgesamt ist festzustellen, dass bei Berücksichtigung der gesamte Prozesskette von Atomkraft - Herstellung, Aufbereitung, Verwahrung, Betrieb und Transporte, so hat Atomenergie einen beachtlichen CO2-Ausstoß.


5. Atomkraft zu nutzen bedeutet, Energie zu verschwenden

Atomkraftnutzung ist ausschließlich in großen zentralen Anlagen möglich, in relativ großem Abstand zu Städten. Die Wärme, die bei der Stromerzeugung entsteht, geht ungenutzt verloren. Wirkungsgrad der Anlagen: Maximal 33 % !


6. Die nationalen Klimaschutzziele durch den Neubau von AKW zu erreichen, ist allein zeitlich unrealistisch und gefährlich.
Soll der Ausstoß von klimaschädlichem CO2 nach Maßgabe des Kyoto-Protokolls (bis 2012 im Vergleich zum Jahr 1990 21% weniger Klimagase, bis 2020 sgar 40% weniger) ausschließlich durch Atomkraft erreicht werden, so müssten in den nächsten 12 Jahren in Deutschland zehn neue AKW gebaut werden. Geht es noch weiter bis ins Jahr 2050 - laut Energie-Enquette-Kommission des Bundestags müssen die CO2-Emmissionen um 80% gegenüber 1990 gesenkt werden - und dieses Ziel sol nur durch Atomenergie erreicht werden, so müssten in Deutschland sogar  60-80 AKW gebaut und dauerhaft betrieben werden. DAS allein ist utopisch und nicht sonderlich verlockend.


7. Atomkraft ist weltweit die falsche Antwort auf den Klimawandel
 Weltweit wird darüber diskutiert, Atomkraft verstärkt einzusetzen, um dem Klimawandel zu begegnen. Im November 2007 waren weltweit 439 AKW im Einsatz, diese deckten 2% - 3%  des weltweiten Energiebedarfs.
Das enstpricht etwa 16% des weltweiten Strombedarfs.Das Gleiche Problem wie unter 6.: Die Anzahl der AKW weltweit müsste bis 2050 um das Sechsfache (!) anwachsen. Eine strahlende Zukunft, fürwahr...


8. Uran als Rohstoff für AKW - diese Ressource ist in absehbarer Zeit erschöpft.
Bliebe es bei den derzeitigen Abbaumengen - jährlich werden 68.000 Tonnen Uran weltweit verbraucht - so sind, wenn es dabei bliebe, die wirtschaftlich nutzbaren Ressourcen in 40-50 Jahren erschöpft. Bei einem extremen Ausbau wie oben beschrieben, wäre dieser Zeitpunkt erheblich eher erreicht. Andere Möglichkeiten der Herstellung - Wiederaufbereitung oder der Betrieb von sog. Brutreaktoren - haben sich aufgrund des Risikos und der Unwirtschaftlichkeit von selbst erledigt.


9. Der Bau von AKW treibt Schwellen-und Drittweltländer in die Schuldenfalle und bindet Kapital, das für den Ausbnau erneuerbarer Energien notwendig ist.
Atomkraft ist eine kapitalintensive und "reaktionslahme" Großtechnlogie - ein Dinosaurier, ein technischer Irrtum des 20. Jahrhunderts - sie bindet Mittel, die für andere Energieformen benötigt werden. Sie kann nur da zum Einsatz kommen, wo bereits Stromnetze bestehen - in Drittweltländern und Schwellenländern ist das nicht der Fall.

Der Bau eines AKW in Argentinien währt seit 1981, zur verschudung von Argentinien hat dieses Projekt bereits erheblich beigetragen, Strom produziert es noch lange nicht...


10. Das vorgeschobene Argument des Klimaschutzes soll helfen, der Atomindustrie neue Subventionen zu erschließen.
Im Rahmen der Klimakonferenz in Den Haag 2000 wurde beschlossen, dass für die Umsetzung des Kyoto-Protokolls keine Öffnung für Atomkraft erfolgen soll. Das Kyoto-Protokoll endet aber im jahr 2012, wie es nach 2012 weiter gehen soll mit dem Klomaschutz, wird bereits stark diskutiert. Und wer ist hier in vorderster Front? Kurz vor der Klimakonferenz in Montreal  2005 erklärten 25 von 732 Europaparlamentarier - initiiert von der Atom-Lobby -  Europa solle stärker auf Atomkraft setzen.

Als "low carbon technology" soll Atomkraft auf eine Stufe mit den erneuerbaren Energien gehievt werden. Umweltfreundliche Technologien werden in der EU besonders subventioniert. Wenn es gelingt, Atomenergie als "low carbon technology" also umweltfreundlcihe technologie darzustellen, würden neue Subventionen erschlossen.

M.Kupfer
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13. November 2008 4 13 /11 /November /2008 00:30
Vor einigen Tagen habe ich etwas über britische Überwachungspläne gepostet.
Jetzt ist auch die Große Koalition auf dem Weg zum Überwachungsstaat. ...

Das BKA-Gesetz wurde im Bundestag verabschiedet, es fehlt nur noch das O.K. des Bundesrates.

Geht irgendwie gar nicht....

Ihr da Ohm macht Watt ihr Volt....

Mal sehen, was Karlsruhe dazu sagt...

M.Kupfer
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3. Oktober 2008 5 03 /10 /Oktober /2008 17:43
Einer dieser Daten, die historische Bedeutung haben, wenn sie auch künstlich daher kommen. War ja Helmut Kohls Wunsch, zu diesem Datum die Einheit einzuläuten. Naja, 8 Jahre zuvor erst, nämlich am 01.10.1982 hatte er  Kanzler Schmidt nach einem kontruktiven Misstrauensvotum abgelöst.

Dabei wäre der 9. November viel passender gewesen, wenn es denn einen wichtigen Tag in der deutschen Geschichte gibt, dann ja wohl der 9. November...

Putzig, dass ausgerechnet der FDP-Mann Genscher, der 1982 nicht ganz unschuldig an der Kohl'schen "geistig-moralischen Wende" war, am 30.09.1989 durch seine wenigen Worte auf dem Balkon der Prager Botschaft ("Ich bin gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise...."Der Rest der Rede ging in befreiendem Freudengeschrei der Flüchtlinge unter) mehrere hundert Ostdeutsche, harrend und wartend auf ein Ende der Flucht aus der verhassten DDR beglückte - und zugleich  ein weiteres Mal Helmut Kohl unvergessen werden ließ, diesmal als "Kanzler der Einheit" - und nicht mehr als Kanzler der etwas unglücklichen "geistig-moralischen Wende"...

Weiß eigentlich noch wer, was am 03.10.1988 geschah? Da starb Franz Josef Strauß. Aber das ist ein anderes Kapitel...

Also, was habe ich am 03.10.1990 gemacht?
Ich war 23, fast 24 Jahre alt, trug einen Zopf bis zum A.... und befand mich gerade frisch im dritten Semester meines Jurastudiums. Ich zählte mich irgendwie undefiniert zum "linken" politischen Lager und weinte der DDR keine Träne nach, weil "links" für mich immer etwas mit Opposition, mit Anecken und Provokation zu tun hatte, die DDR aber Leute wie mich sicher überwacht und irgendwann hinter Schloss und Riegel gebracht hätte... Das Freudengeschrei der Prager Flüchtlinge am 30.09.1989 nach den Worten Genschers zur bevorstehenden Ausreise sagte alles - noch heute wird mir ganz mulmig zumute, wenn ich diese Situation in den alten Aufnahmen noch einmal höre.


Die DDR hatte leider nicht so etwas wie "68", was die furchtbare positive Verklärung der DDR erklärt. Die artet darin aus, dass es nicht wie bei uns in der Nachkriegszeit oft zu hören war "Es war nicht alles schlecht, damals..." (Bezogen auf Adolf-Nazi's Wohlfühl-Diktatur), man sagt sogar "Es war alles besser in der DDR, als jetzt....". Auch heute noch, 18 Jahre danach....

Ich verbrachte den Vorabend des 03.10.1990 im Klever "Radhaus", einer damals links-alternativ und kultig daher kommenden Jugenddisco mit Cafe und gelegentlichem Kulturprogramm, jedenfalls war das Publikum links-alternativ, mindestens aber unangepasst und punkig/rockig. Sie spielten dort "meine" Musik, das war wichtig, genügend Indie-Anhänger sich dort auch, Leute wie ich eben...

Hinter dem Tresen hing an diesem Abend eine DDR-Flagge mit Trauerflor. Na, wie gesagt, ich stand all dem etwas nüchtern gegenüber. Es war gut, dass dieser Staat DDR nun nicht mehr existierte, wollte mich aber ungern dem CDU-verordneten Hurra-Patriotismus anschließen. Kritik oder Zweifel am Widervereinigungsprozess waren für unseren Altkanzler Kohl ja damals untrügliche Beweise für "Vaterlandsverrat".

So what:.. Ich war seinerzeit durchaus auf Seiten des damaligen Kanzlerkandidaten Lafontaine (heute natürlich nicht mehr). Das Credo: Wiedervereinigung ja, aber nicht so zack-zack. Und damit war ich Vaterlandsverräter in den Augen strammer Kohl-Anhänger. Seufz. Ich konnte damit leben.

Um 0:00 Uhr jedenfalls hob ich mein Pils vom Tisch und sagte in die Runde "Hey, jetzt sind wir wiedervereinigt, prost". Der Rest des Tages verlief weitgehend unspektakulär.

Jahre später fand ich Gefallen am "Beitrittsgebiet", zB an Leipzig, Ostberlin, Dresden, Rostock, Wismar und Kühlungsborn.

M.Kupfer
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16. April 2008 3 16 /04 /April /2008 15:39
Es ist soweit, das zumindest auf Landeseben erste Bündnis zwischen CDU und Grünen wurde geschmiedet:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,547794,00.html


Auf Gemeinde- und Kreisebene kommen derertige Bündnisse zwischen den beiden - vermeintlichen - politischen Gegensätzen schon öfter vor, in NRW wurde diese Kombination übrigens erfolgreich erprobt in Städten wie Köln und Dortmund sowie im Kreis Lippe. Die Zusammenarbeit bewerten PolitikerInnen beider Parteien als wertvoll und erfolgreich.

Nanu - die Erben Adenauers, konservativ bis in die Knochen, wirtschafts- und arbeitgeberfreundlich, machtgewohnt, Befürworter der Atomenergie arbeiten zusammen mit Ökos, alten Straßenkämpfern, Ex-K-Gruppenanhängern, Friedensaktivisten und überzeugten Kernkraftgegenern? Die einen hassen 68 und ziehen bashing-mäßig drüber weg, die anderen haben ihre historischen Wurzeln womöglich bei den 68ern und stehen dem rundweg positiv  gegenüber. Die einen sind schon durch Macht korrumpiert - ich sach nur Schwarzgeldaffäre - die anderen gewöhnen sich erst noch an Macht.

Das soll gehen?

Wie gesagt: Auf Kreis- und Gemeindeebene waren schwarz-grüne Bündnisse erfolgreich. Grüne und CDU'ler stammen aus bürgerlichen Kreisen, verfügen in großen Teilen über eine hohe Formalbildung sowie über entsprechend hohes Einkommen, sind familienfreundlich gestimmt und werteorientiert. Die einen gehören zu großen Teilen zum konservativen, traditionellen Milieu, die anderen zu den Postmaterialisten, ggf. den modernen Performern. treffen tut man sich womöglich bei den Etablierten, s. dazu die Sinusstudie.

http://www.sinus-sociovision.de/Download/Sinus_GfK_Praesentation_BioFach_2007_bioverlag.pdf

Gerade aus der Studie ergibt sich übrigens, das Konservative, Postmaterialisten und Etablierte häufig Bio-Produkte kaufen (wobei Postmaterialisten, die klassischen Grünen-Anhänger, den größten Anteil ausmachen...)

Naja, es bleibt spannend, alles ist im Wandel, erst recht unsere politische Parteienlandschaft.

In Hamburg mit Ole könnte es gehen, geht es denn auch mit Rüttgers, Wulff, Koch oder Oettinger - oder mit Angela Merkel?

Grüne Ziele dürfen nicht verloren gehen.

Aus grüner Sicht: Macht ist gut, aber sie ist nicht alles, es kommt auf das Parteiprofil an.
Die Basis muss das mittragen.

Fortstzung folgt....

M.Kupfer
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