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Nasenbluten....

Eine nahezu vollkommen absurde Situation ergab sich an einem schönen, sonnigen Montagmorgen im Frühling kurz nach Arbeitsbeginn:

Ich saß am Schreibtisch und hatte plötzlich Nasenbluten.

Ich spürte schon, dass irgend eine Flüssigkeit den Weg durch die Nasenhöhle nahm und hielt dies zunächst - ein wenig verschnupft war ich schon - für ... na, ich will es nicht vertiefen, jedenfalls schneuzt man dieses Zeug gewöhnlich ins Taschentuch. Das leicht metallische Aroma verhieß allerdings nichts Gutes.

Ich suchte in der Sakkoinnentasche eilig nach Taschentüchern, fand aber keines. Der erste rote Klecks fiel prompt auf die Tischplatte.  Schnell riss ich die Schreibtischschublade aufund kramte herum - wieder nix...! Kein Tempo, gar nix! Wieder ein Klecks, diesmal auf den Teppich...Auch die anderen Schubladen enthielten kein Taschentuch... Meine Aktentasche enthielt ebenfalls kein Taschentuch....der zweite und der dritte rote Klecks fielen auf den Teppich, ich hatte keine Chance, die Blutung zu stoppen!

Ich tastete Richtung Türe, um diese zu schließen, und markierte den Weg mit mehreren Blutstropfen, obwohl ich meine Hand dicht unter die Nase hielt. Ich suchte im Papierkorb nach einem gebrauchten Taschentuch - und hoffte, mit dem Teil vor der Nase schnellstens zum Waschbecken rennen zu können, um dort Papierhandtücher nehmen zu können. Leider fand sich keines.... In meiner Handfläche bildete sich langsam ein kleiner Blutsee, der seinen Weg durch die Finger gen Teppich und Schreibtischplatte fand. Ich schnappte mir in der Not ein Stück Schreibpapier und hielt dies unter die Nase, was aber aufgrund der fehlenden Saugfähigkeit des Papiers zu weiteren Blutrinnsalen im Raum führte.

Zwischenzeitlich befanden sich Blutspuren an der Türe, auf dem Teppich, auf dem Schreibtisch, an und in dem Papierkorb, am unteren Rand der Tapete, an meinen Händen sowie im Gesicht. Die Blutung hörte und hörte nicht auf.

ABER: Hemd, Hose, Sakko und Krawatte blieben sauber....!! Auch Computermaus, Tastatur, Bildschirm und Telefon blieben sauber. Man muss halt Prioritäten setzen...

Ich hätte ja am Empfang anrufen könen, um unsere Damen vorne zu alarmieren, aber dazu kam ich einfach nicht. Es lief und lief, ich musste mir etwas einfallen lassen...

Das Blut klebte mittlerweile an den Händen und unter Nase und Mund. Ich sah bestimmt aus wie Hannibal der Kannibale aus "Schweigen der Lämmer"... Wenn ich jetzt so den langen Flur Richtung WC entlanglaufe, würde ich noch mehr Blutspuren ziehen, musste nicht sein. Wenn vorne Mandantschaft saß, nicht auszudenken...

Was sollte ich denn tun?? Ohne Tempos, ohne irgend etwas zum Aufsaugen und Saubermachen??

In dem Moment klopfte es an der Tür, meine Kollegin kam herein, um eine Frage zu stellen und wurde
kreidebleich angesichts des Schlachtbildes und meines Anblicks, als ich mich zu ihr umdrehte...- der Raum sowie meine Person müssen ausgesehen haben, als sei gerade auf mich geschossen worden.

Die Rettung durch sie folgte schnell: ein nasses Handtuch sowie zahlreiche Papierhandtücher waren schnell besorgt und ich konnte mich wieder unter Leute trauen... In der Mittagspause besorgte ich Fleckenteufel und beseitigte die gröbsten Verschmutzungen... Außerdem besorgte ich eine Megapackung Taschentücher. Für das nächste Mal. man weiß ja nie...

Das Büro wurde kurze Zeit später neu gestrichen und erhielt einen neuen Teppich, aber das war sowieso geplant...

M.Kupfer

Kleiner Nachtrag: Monate später machte ich bei einer Mandantin - eine etwa 70-jährige resolute Dame - einen Besuch in deren Geschäftsräumen. Es ging um irgend etwas Steuermäßiges. das hat sie wohl etwas aufgebracht, sie stand auf und sagte "Bin gleich zurück", um kurz darauf mit einem sich langsam rot verfärbendenTaschentuch in der Nase vor mir zu sitzen....
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