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Alltagswahnsinn im Film

Alltagswahnsinn hat viel mit ungewollter Situationskomik zu tun. Es gibt mehrere Versionen - die des immer-währenden Pechvogels, die des weit sichtbar aufgestellten Fettnäpfchens, in das man trotzdem tritt, die des "Noch-einmal-davon-gekommen", das Deja vu  und die Version des Trottel-Privilegs.

Lassen wir mal den immer währenden Pechvogel weg - das ist die Sorte Mensch, die bei allen Prüfungen durchfällt, denen der/die Partner/in weg läuft, dem immer wieder das Auto zu Schrott gefahren wird, der immer Schulden hat, seinen Job verliert, keine Wohnung findet und Ärger mit dem Vermieter hat, Krankheiten erleidet - und dem deshalb gar nicht zum Lachen sein kann.

Eine Bekannte von mir kannte ihrerseits dermaßen viele Leute, denen der größtmögliche ernste Ärger widerfahren ist.  Dazu gehörten Frauen, die unbedingt schwanger werden wollten und sich mit allen möglichen Kerlen einließen, und nachher nicht wussten, von wem das Kind nun stammt (und die sich dem Risiko von HIV und anderen Scheußlichkeiten aussetzten), Flüchtlinge aus dem kurdischen Teil der Türkei, die in Deutschland ein ungewisses Dasein fristeten, weil nicht klar war, ob der Asylantrag Aussicht auf Erfolg hatte, Urlauber, die das Lawinenunglück in Galtür 1999 überlebt hatten...

Solche Fälle sind überhaupt nicht komisch, weil es den Leuten hier an die Substanz geht. Sich darüber lustig zu machen geht einfach nicht. Deswegen gehören die hier ausgeklammert. Vielleicht ist es aber auch nicht alltäglich, wenn man schwere Unglücke überlebt....

Wirklich komisch ist es allerdings, wenn den normal Sterblichen oder gar herausragenden Personen irgend etwas völlig Bescheuertes widerfährt, wie neulich dem allseits beliebten Italiener Berlusconi, der bei einem Besuch bei Noch-US-Präsident Bush dessen Rednerpult zerlegte:


Meine irgendwann mal beschriebene Szene mit dem Nasenbluten geht in die gleiche Richtung... Und irgendwie auch die Sache mit dem Seminar.

Im Film findet sich Alltagswahnsinn nach o.g. Definition zum Beispiel bei Paulchen Panther: 


...und bei seinem alter ego Inspector Clouseau alias Peter Sellers in den "Rosaroter Panther"-Filmen:



Nicht zu vergessen ist die Rolle von Peter Sellers als "Partyschreck". Dieser Film wimmelt nur so peinlichen Situationen - wie bekommt er in der Szene nur seinen Schuh wieder?


Ganz große Helden des Alltags waren Stan Laurel und Olliver Hardy:
 
Perfekt in Szene gesetzt wurde der Alltagswahnsinn von Vicco von Bülow alias Loriot:


Aus der neueren Zeit ist noch Mr. Bean - Rowan Atkinson - zu nennen:

Was ist nu eigentlich so komisch an diesen Filmen?

Außer den lustigen Grimassen sind es doch die völlig absurden (Alltags-)Situationen, in die die Protagonisten geraten - die hier genannten haben freilich alle das Trottel-Privileg, bei Stan ist es das "Nochmal-davon-gekommen" und bei Mr. Bean weiß man, das er in jedes noch so sichtbar aufgestellte Fettnäpfchen tritt.... Paulchen Panthers "schlechtes Gewissen" kennt sicher auch mancher, der eigentlich ausruhen und faulenzen möchte, und Aufgaben aufschiebt....

Peter Sellers ist - wie Woody Allen - ein Meister im Pointieren. Als Inspector Clouseau ist er freilich dauerhaft trottelig,die Szenen mit seinem Kampfpartner Cato sind übertrieben und unrealistisch, aber  im "Partyschreck" gibt er alles...

Loriot bringt den Alltagswahnsinn herrlich subversiv auf den Punkt: Gespräche wie "Ich will hier einfach nur sitzen" hat bestimmt schon manch lang verheirateter Ehemann erleben müssen.

Die Liste ließe sich noch um Filmchen mit Jerry Lewis, Louis de Funes, Pierre Richard/Gerard Depardieu (der große Blonde...), Ekel Alfred sowie Kabarett-Szenen mit Hans Dieter Hüsch, Otto Waalkes (von dem erzählt wird, dass er durch Zufall in die Komikerschiene gerutscht ist: Er begann als langhaariger Protestsänger mit Gitarre und stellte sich auf der Bühne ausgesprochen ungeschickt an, indem er z.B. Missgeschicke mit umfallenden Mikroständern mit mehr oder weniger ungewollt komischen Bemerkungen bedachte...), Harald und Eddi, Diddi Hallervorden, Mario Barth und so weiter vervollständigen ließe. Vom Alltagswahnsinn lebt das Kabarett-Geschäft.

M.Kupfer
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